The Da Vinci Code – Sakrileg (USA 2006)

the-da-vinci-code-sakrilegSpätestens seit „Rossini“ sollte dem deutschen Kinogänger klar sein, dass die Verfilmung eines Megabestsellers mit einer Lizenz zum Geldscheindrucken gleichzusetzen ist. Wie Jan Josef Liefers in Helmut Dietls Meisterwerk treffend formulierte: „So schlecht kann der Film gar nicht werden, dass die Leute nicht massenweise rein rennen.“ Jetzt haben wir die Möglichkeit, diese Theorie zu überprüfen. Der Roman „Sakrileg“ von Dan Brown hat sich bislang schon über 40 Millionen Mal verkauft und die soeben erschienene Verfilmung ist so schlecht, dass es schon nicht mehr lustig ist. Trotzdem ist es schwer vorstellbar, dass nicht jede Menge Leser und Interessierte diesen Streifen mit ihrer Anwesenheit adeln werden.

Der Havardprofessor Robert Langdon (Tom Hanks, „Forrest Gump“) wird während eines Parisaufenthalts von der französischen Polizei um Hilfe bei der Aufklärung eines sehr speziellen Mordfalls gebeten. Der Kurator des Louvre wurde Mitten in der Nacht im Museum erschossen. Doch hat er vor seinem Ableben noch eine Vielzahl an Symbolen hinterlassen, bei deren Entschlüsselung der ausgewiesene Experte Langdon helfen soll. Doch nicht nur deshalb hat der Ermittler Fache (Jean Reno, „Leon – Der Profi“) den Amerikaner zu sich gerufen. Denn er verdächtigt Langdon der Mörder zu sein. Mit Hilfe der französischen Polizistin Sophie Neveu (Audrey Tautou, „Die fabelhafte Welt der Amélie“) kann Langdon der Falle entkommen, die Fache ihm gestellt hat. Nun machen sich die beiden auf die Rätsel zu lösen, die der Kurator hinterlassen hat.

Dabei stoßen sie auf eine gigantische Verschwörung, die ein jahrhundertealtes Geheimnis vertuschen soll: Jesus und Maria Magdalena waren verheiratet und hatten Kinder. Doch nicht nur diese Erkenntnis umtreibt die beiden in der Nacht. Sie haben auch den Mönch Silas (Paul Bettany, „Dogville“), den eigentlichen Mörder, auf den Fersen. War hier noch was zu retten? Sind wir ehrlich: Es geht hier um die Verfilmung eines verdammt schlechten Buchs. Dan Browns Roman erzählt eine hanebüchene Geschichte mit platten Charakteren in einem Stil, der das Papier nicht wert ist, auf dem es geschrieben ist. Da rettet auch die kontrollierte Provokation nichts mehr. Wenn Salman Rushdie seinen Unbill über „Sakrileg“ verbreitet, dann hat das weniger mit der inhaltlichen Ebene zu tun, als mit der schlichten Armseligkeit, mit der der Inhalt vermittelt wird. Wie soll man also aus so einer schlechten Vorlage noch einen guten Film machen?

Vielleicht wäre es möglich gewesen. Hätte man den Charakteren nicht mehr Tiefe verpassen können? Die kunsthistorischen Exkurse nicht ein kleines bisschen lebhafter inszenieren können? Sicher, es wäre schwer gewesen – Regisseur Ron Howard („A Beautiful Mind“) war es offensichtlich unmöglich. Es ist doch kein Zufall, dass dieser Mann seit 1988 keinen wirklich guten Film mehr gemacht hat. Völlig ohne eigene Note gibt er leicht verkürzt, aber davon abgesehen völlig unreflektiert wieder, was Dan Brown vorher auf Papier gekritzelt hat. Die paar Änderungen, die er sich erlaubt, machen den Film nicht besser – eher senken sie das eh schon niedrige Niveau völlig ab. Nein, Ron Howard war der falsche Mann für den Job. Über die Besetzung kann man das so nicht ganz sagen. Natürlich spielt Tom Hanks einmal mehr den Typ, den Tom Hanks eben so spielt. Das in diesem Fall routiniert zu nennen, wäre geschmeichelt. Er wirkt schon ziemlich lustlos – was man ihm mit Blick auf seine Texte nicht mal verdenken kann.

Auch Jean Reno spult ohne Ausschläge nach oben sein über die Jahre perfektioniertes Programm als mürrischer Polizist ab. Aber sind wir ehrlich: Irgendwie würde ja auch was fehlen, wenn nicht Jean Reno den französischen Polizisten in einer Hollywoodproduktion spielen würde. Insofern passt das bei dieser Orgie der Unterdurchschnittlichkeit ganz gut ins Gesamtbild. Dem Fass den Boden schlägt allerdings Audrey Tautou aus. In ihrer Eigenschaft als personifizierter Gutmensch hat sie auch auf der Flucht noch Zeit und Geld, um einen Junkie mit 50 Euro von der Nadel wegzubringen und zwischendurch mit großen Augen und ins Gesicht hängender Locke den irre spannenden Ausführungen von Tom Hanks zu lauschen. Mit dieser Rolle hat sich die Aktrice wirklich keinen Gefallen getan. Einzig Sir Ian McKellen („Der Herr der Ringe“-Trilogie) gibt seiner Nebenrolle eine gewisse Mehrdimensionalität. Gut ist sicherlich etwas ganz anderes, aber immerhin besser als das Restensemble spult der Brite sein Programm ab. Retten kann aber auch er nicht viel.

Denn „The Da Vinci Code – Sakrileg“ kommt insgesamt so spannend daher wie ein Volkshochschulkurs. Man folgt Tom Hanks (gegenüber dem Buch stark verkürzten) Ausführungen über Symbolik und Kunstgeschichte eher widerwillig. Aber damit es auch der letzte im Publikum kapiert, ist sich Regisseur Ron Howard nicht mal zu schade, die beschriebenen Symbole im Bild teilweise sogar mit leuchtenden Linien nachzuzeichnen. Und um die visuelle Eben völlig zu versauen, werden die Verweise auf die Vergangenheit der Charaktere oder eben Legende mit betont grobkörnigen Rückblenden bebildert, gegen die der Rest des Films wirklich vorzüglich ist. Hier stimmt eben einfach so gut wie nichts. Natürlich sind die Sets gut gemacht, die Kostüme sitzen und auch alles andere Formale ist selbstverständlich in Ordnung. Das kann man für $125 Millionen auch erwarten. Aber vielleicht hätte man sich mehr auf die Entwicklung (und Verbesserung!) des Drehbuchs konzentrieren sollen.

Gerüchten zufolge gab es bei der Pressevorpremiere des Films in Cannes Gelächter im Publikum und zum Ende der Vorstellung hin Pfiffe statt des üblichen Applauses. Das mag hart sein, es ist vor allem aber auch gerechtfertigt. „The Da Vinci Code – Sakrileg“ ist ein schlechter Film! Zu schade, dass er wohl trotzdem sein Publikum finden wird.

Wertung: (3,5 / 10)

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