Shelter – Eternal (2006, Goodlife Records/Dockyard 1)

shelter-eternalRay Cappo ist eine Institution. Als Frontmann von YOUTH OF TODAY war er in den Achtzigern an der Formung des New-York-Hardcore beteiligt, zum Krishna bekehrt gelang ihm mit SHELTER in den Neunzigern die erfolgreiche Kombination von Härte und Massentauglichkeit. Ihr Geniestreich „Mantra“ ist einer der großen Klassiker des melodiösen Hardcore, der Nachfolger „Beyond Planet Earth“ markierte den absehbaren Schritt Richtung Mainstream. Nach der Veröffentlichung von „The Purpose, The Passion“ wurde es 2001 still. Cappo verließ SHELTER und widmete sich fortan Projekten jenseits der Musikbranche. Bis jetzt.

„Eternal“ ist der Comeback-Versuch einer Band, die es im Grunde niemandem mehr beweisen muss. Allerdings wäre die eine oder andere Beweisführung, sprich das Aufblitzen ihrer Klasse, mehr als nur willkommen. Das jüngste SHELTER-Album ist der zähe Versuch der Anknüpfung an vergangene Tage. Mit dem Ergebnis, dass die 11 Songs kaum weiter vom Hitpotential eines „Here We Go“ oder „Rejuvenate“ entfernt liegen könnten. Der spirituelle Hardcore hat an Eingebung verloren – die Melodien greifen nicht, dem Gesang fehlt es an Überzeugungskraft. Nicht selten erinnert „Eternal“ an eine Neuauflage des ähnlich behäbigen „Quest for Certainty“. Die Neuauflage dessen Aufmachers „In Defense of Reality“ verwundert somit wenig. Seit dessen Veröffentlichung allerdings sind stolze 15 Jahre vergangen. Man hätte annehmen dürfen, Ray Cappo plündere nach so langer Zeit nicht nur die eigene Vergangenheit.

SHELTER fehlt es im Jahr 2006 an allen Ecken und Enden. Ohne Tempo dümpeln die Stücke vor sich hin, wecken nicht weniger als reges Desinteresse. Wo sind die griffigen Refrains, wo Cappos mitreißendes Organ? Einsame Höhepunkte sind die Nummern „First Priority“ und „Return to Eden“, die zumindest temporär im Ohr Wirkung zeigen. Überschattet bleiben die qualitativen Ausreißer aber von monoton darbender Behäbigkeit, beispielsweise dem weiblich begleiteten „Back to Vrindavan“. Selbst die Produktion reicht nicht über das Mittelmaß hinaus, welches „Eternal“ im Rahmen seiner gesamten Spielzeit beständig offenbart. Vielleicht sollte man schlafende Hunde einfach nicht wecken.

Wertung: (4 / 10)

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