Solo: A Star Wars Story (USA 2018)

„I’m gonna be a pilot. Best in the galaxy.“ – Han Solo

An der Frage, ob der Disney-Konzern würdig mit George Lucas’ teuer erkauftem „Star Wars“-Erbe umgeht, scheiden sich die Geister. Insbesondere Episode acht der Sternensaga, „Die letzten Jedi“, polarisiert auf eine Weise, die selbst Lucas’ durchwachsene Prequel-Trilogie (Jar-Jar Binks, anyone?) in den Schatten stellt. Und dann das: Die Vorgeschichte von Han Solo, der wohl beliebtesten Figur des zeitlosen Science-Fiction-Epos, ein (vermeintliches) Desaster! Gefeuerte Regisseure (Phil Lord und Christopher Miller), ein Hauptdarsteller ohne echten Rückhalt, dafür (angeblich) mit Problemen bei der Dialogbeherrschung, sowie eine kommerzielle Ausbeute, die mit 214 Millionen Dollar (in den USA) weit hinter den Erwartungen zurückblieb.

Wie so häufig ist das fertige Unterhaltungsprodukt – und nichts anderes als das sollte hier erwartet werden – aber beileibe nicht so schlecht, wie hinlänglich behauptet. Im Gegenteil. „Solo: A Star Wars Story“ macht Spaß, allen voran bedingt durch stattliches Tempo, zahlreiche Anspielungen auf andere Kapitel der Saga und die erwartbar üppige Portion Ironie. Relativierend muss allerdings eingeräumt werden, dass sich der positive Finaleindruck auch dadurch einstellt, dass die Erwartung kaum hätte niedriger gestaffelt sein können. Zudem lassen sich die reichhaltigen Probleme des Films, allen voran der fehlbesetzte Titelakteur Alden Ehrenreich („Hail, Ceasar!“), keineswegs wegdiskutieren.

Vor langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxis, träumt Kleingauner Han davon, dem tristen Leben der Straße zu entfliehen. Mit Freundin Qi‘ra („Game of Thrones“-Star Emilia Clarke) schmiedet er Pläne, die aber nur ihm den erhofften Ausbruch bescheren. Der beschwerliche Weg zum berüchtigten Weltraum-Schmuggler führt ihn zunächst in die Dienste des aufstrebenden Imperiums, wo er den Zunamen Solo erhält und an der Front die Bekanntschaft des verschlagenen Beckett (Woody Harrelson, „Die Tribute von Panem“) macht. Zudem trifft er erstmals auf seinen treuen Wookie-Freund Chewbacca (Joonas Suotamo) – in einem Schlammverlies, bei einem Kampf auf Leben und Tod.

Die letztlich vom Oscar-geadelten Routinier Ron Howard („A Beautiful Mind“) vollendete Vorgeschichte greift einige relevante Elemente der Ur-Trilogie auf. Das Skript von Franchise-Veteran Lawrence Kasdan (u. a. „Das Imperium schlägt zurück“) geht damit den Weg des geringsten Widerstandes, wenn Han und der Millennium Falke zusammengeführt werden, der legendäre „Kessel-Flug“ ins Zentrum des Geschehens rückt oder das schwierige Verhältnis zum narzisstischen Glücksspieler Lando Calrissian (Donald Glover, „Spider-Man: Homecoming“) begründet wird. Davor begibt sich Han mit Chewie und Becketts an „Guardians of the Galaxy“ erinnerndes Gefolge – mit dabei: Thandie Newton („M:I 2“) und „Iron Man“-Regisseur Jon Favreau als Originalstimme des vielarmigen Rio Durant – auf Beutezug.  

Der treibt sie tief in die Schuld des interstellaren Gangsterbosses Dryden Vos (Paul Bettany, „Avengers“), in dessen Diensten auch die zur Kampfamazone gedrillte Qi’ra steht. Die kann ihre Gefühle für Han nicht verleugnen, bleibt jedoch undurchsichtig genug, um Richtung Finale einschneidende Wendungen zu begünstigen. Der Plot bleibt über weite Strecken schwachbrüstig, gewährt im Trubel der reichhaltigen, gewohnt erstklassig gestalteten Actionszenen aber kaum Zeit, das Gesehene zu hinterfragen. Visuell sticht, vor allem im Auftaktdrittel, die mangelnde Ausleuchtung hervor. Manche Sequenzen wirken regelrecht abgedunkelt. Wenn das als Stilmittel gedacht war, um dem Look der originären Episoden gerecht zu werden, funktioniert es bestenfalls bedingt. Denn vor allem die obligatorische Detailfülle der Sets wird damit zwangsläufig gemindert.

Man kann dies als Sinnbild eines Films empfinden, der seiner Prämisse nie vollends gerecht wird: Licht und Schatten liegen stets nah beieinander. An der Kurzweil und dem grundlegenden Reiz des Ensembles – neben Warwick Davis („Willow“) wirkt auch Howards Bruder Clint („Evilspeak“) mit – rüttelt das glücklicherweise nicht. Dafür sorgt auch Landos emanzipatorisch eingestellter, für die Roboter-Revolution kämpfender Droide L3-37 (mit der Stimme von Phoebe Waller-Bridge, „Fleabag“). Dem Aufschwung des Imperiums, am Rande vertreten durch Darth Maul (Ray Park, „X-Men“), steht mit Enfys Nest (Erin Kellyman, „Raised By Wolves“) darüber hinaus die Wurzel der Rebellion gegenüber. Somit werden Weichen gestellt, die zumindest für Han Solo fraglich erscheinen lassen, ob Disney sie in einer Fortsetzung bedienen wird. Ein Knaller ist dies Prequel keineswegs. Zu entdecken gibt es trotzdem einiges.

Wertung: (6,5 / 10)

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