Teeth (USA 2007)

teethDie Amerikaner sind nicht von ungefähr als Prüde verschrien. Beispielsweise werden junge Menschen in meist religiösem Eifer zum Sexverzicht vor der Ehe gedrängt. Masturbation verstößt gegen das Gebot der Reinheit, Oralverkehr ist sowieso ein Tabu. Es stimmt nur bedingt verwunderlich, dass dies „Land of the Free” immer wieder Wellen an Teenager-Hochzeiten erlebt. Aber Hauptsache der Geschlechtsakt wurde unter dem heiligen Banner der Eheschließung vollzogen. Auch in „Teeth“ ist die Abstinenz ein wesentliches Thema. Wenn der Treueschwur der Enthaltsamkeit auch andere Beweggründe hat, als es erzkonservativen Zuschauerkreisen lieb sein könnte.

Zum Auftakt serviert die schonungslose Groteske eine idyllische amerikanische Vorortsiedlung mit vielen Grünflächen und Einfamilienhäusern. Wohlgemerkt kein wohlhabendes Viertel, denn hinter einem solchen würden wohl kaum die Schlote eines Kraftwerkes in den blauen Himmel ragen. Überhaupt spielt Produzent, Autor und Regisseur Mitchell Lichtenstein, Sohn des berühmten Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein, mit Gegensätzen. Hier Postkartenkitsch und der Symbolismus der Umweltzerstörung, dort die unbefleckte, mädchenhafte Dawn (Jess Weixler, „Goodbye Baby“) und ihr tätowierter, kiffender Stiefbruder Brad (John Hensley, „Nip/Tuck“).

Sie ist Fürsprecherin und neue Vorzeigerednerin einer Abstinenzlervereinigung. Als sie jedoch den neuen Mitschüler Tobey (Hale Appleman, „Beautiful Ohio“) kennen lernt, ist es um sie (beide) geschehen. Der Kampf gegen das pulsierende Verlangen, die erblühende Sexualität, ist ein hoffnungsloser. Das junge Glück umgarnt sich, kommt sich allmählich näher. Tobey will (natürlich) mehr und verliert, als er Dawn vergewaltigt, seine Männlichkeit. Buchstäblich. Lichtenstein spart nicht an delikaten – und schockierenden – Details. Verunsichert und panisch muss Dawn erkennen, dass sie über eine Vagina Dentata verfügt, ein mit Reißzähnen versehenes Geschlechtsorgan.

Der Horror ist nur eine Marginalie, die garstige Independent-Satire auf bigotte Heuchelei und propagierte Verklemmtheit auf überspitztem Kurs zu halten. Dazu bei trägt auch die Darstellung des schulischen Sexualkundeunterrichts, bei dem der Lehrer zwar ohne Scheu das männliche Genital anhand anschaulicher Illustrationen zu erläutern weiß, nicht aber die Vagina. Frei von Scham kann er sie nicht einmal benennen. Aber wozu auch, im Schulbuch ist die dazu gehörige Abbildung schließlich mit einem großzügig jeden Ansatz bedeckenden Sticker überklebt. Willkommen in der aufgeklärten modernen Welt!

Nicht eben schmeichelhaft auch die Darstellung der Männerwelt, die bis auf wenige Ausnahmen auf animalische Instinkte und Perversion degradiert wird. Wer will Dawn da noch verdenken, dass ihr hungriger Schlund zur effektiven, nein wahrhaft effektivsten Waffe gegen aufdringliche Rüpel, Gynäkologen und analfixierte Stiefbrüder gerät. Auf situative Komik setzt der Film dabei nicht. Die charakterlichen Klischees sind Mittel zum Zweck, selbst die unscheinbare Inszenierung dient einzig der Hervorhebung des surrealen Kerns. Und wenn im Abspann Erwähnung findet, dass während der Produktion kein Mann verletzt wurde, so stimmt dies abschließend doch immerhin versöhnlich.

Wertung: 7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

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