Sundown – Der Rückzug der Vampire (USA 1989)

sundown-rueckzug-der-vampireEinen etwas anderen Blick auf den Vampirismus wagte Anthony Hickox mit „Sundown“. Bereits bei seinem Debüt „Waxwork“ hatte er treffliches Gespür für die ironische Modernisierung klassischer Gruselstoffe offenbart und irrte auch nicht, als er Blutsauger ins Westernambiente verlegte. Mit von der Partie ist neben TV-Ikone David Carradine („Kung Fu“) als Graf Dracula/Mordulak der immer sehenswerte Bruce Campbell („Armee der Finsternis“), der mit Oberlippenbart einen verklemmten Nachfahren des berühmten Vampirjägers Van Helsing mimt.

Der spürt eine ganze Untotengemeinde im Wüstenkaff Purgatory auf, wo sie fernab menschlicher Ballungsräume Frieden gefunden haben. Eine Fabrikanlage produziert einen breiigen Blutersatz, der für die Vampire einen entscheidenden Schritt in Richtung friedfertiger Koexistenz mit ihrer urtümlich bevorzugten Beute bedeuten könnte. Die asketische Abkapselung findet jedoch nicht überall Anklang. Jungvampir Shane (Maxwell Caulfield, „Das Empire Team“) plant den Umsturz, in den neben Van Helsing auch Ingenieur David Harrison (Jim Metzler, „L.A. Confidential“) mit seiner Familie schlittert, als er zu Wartungszwecken der Maschine in die Region reist.

Bevor am Ende die Waffen in bester Western-Manier sprechen und mit Holz ummantelte Geschosse die Reihen der Fangzähne lichten, häuft Hickox charmante Genre-Hommagen an. Die geben sich bewusst trashig, was neben den Stop Motion-animierten Fledermäusen auch die schrullige Figurierung der kleinstädtischen Vampire unterstreicht. Besonders hervorzuheben ist dabei M. Emmet Walsh („Critters“), der als einer von drei bärtigen Tankwarten im ZZ Top-Look sympathischen Hang zur Übertreibung beweist.

Zusätzliches Konfliktpotential resultiert aus dem Spannungsverhältnis zwischen David und Shane, der vor seiner Verwandlung zum Vampir eine kurze Affäre zu Sarah („Dallas“-Beiwerk Morgan Brittany), der Frau des Nebenbuhlers, unterhielt. Am Ende werden selbstredend alle Streitigkeiten gewaltsam aus der Welt geschafft, was Hickox dem komödiantischen Sinne entsprechend unblutig und durchaus familientauglich gestaltet. „Sundown” ist eine kurzweilig aufbereitete Verbeugung vor altmodischen Grusel- und Cowboyfilmen, die keine Maßstäbe setzt, ob ihrer konsequenten Andersartigkeit aber angenehm in Erinnerung bleibt.

Wertung: (6,5 / 10)

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