The Evil Dead – Tanz der Teufel (USA 1981)

the-evil-dead-raimiWenn B-Filmer Kinogeschichte schreiben: Sam Raimi war nicht einmal volljährig, als er 1978 den Kurzfilm „Within the Woods“ drehte. Hauptdarsteller war ein gewisser Bruce Campbell, der auch die tragende Rolle in „Evil Dead – Tanz der Teufel“ übernehmen sollte, jene drei Jahre später auf Spielfilmlänge gedehnte Neuverfilmung. Die ist mittlerweile Legende und eröffnete dem Regisseur und seinem Darsteller eine Weltkarriere. Raimi arbeitete sich in Hollywood empor, wurde auch als Produzent namhaft und stieß mit „Spider-Man“ in die Top-Elite vor. Campbell hingegen begnügte sich mit dem Ruhm der Billigfilme und machte so auf seine Art Karriere.

Der Status des gemeinsamen Splatter-Klassikers geht auf verschiedene Faktoren zurück. Beispielsweise ist „Evil Dead“ bis heute der einzige Film, in dem die Vergewaltigung einer Frau durch einen Baum gezeigt wird. Szenen wie diese prägen, wenn auch in erster Linie das (Welt-)Bild der Jugendschützer, die Sturm gegen das nur 150.000 Dollar teure Werk liefen. In Deutschland wurde dies bald nach dem Kinostart verbannt, verboten und zensiert. Bis vor Gericht endlich eine Einigung darüber erzielt wurde, dass die im Film vorkommenden Kreaturen nicht als Menschen zu begreifen und die ihnen zuteil werdenden Gräuel deshalb kaum weniger brutal, immerhin aber nicht als menschenverachtend einzustufen sind, vergingen Jahre.

Ungeschnitten ist der Streifen hierzulande bis heute nicht erhältlich, wenn die Verfügbarkeit durch Filmbörsen und Internetversandhäuser auch spürbar erleichtert wurde. Zum Glück, denn Raimis visionäres Low Budget-Gemetzel ist bei allem Blutzoll und jeglicher Gewalt ein Lehrstück in Sachen Angsterzeugung. Es geht um fünf Freunde, die im dunklen Forst Urlaub machen und im Keller der sie beherbergenden Hütte ein mysteriöses Buch und Tonband entdecken, dessen Abspielung eine okkulte Beschwörung hörbar macht, die in den umliegenden Wäldern das Böse weckt. Nach und nach werden die Twens heimgesucht und in schauerliche Mischwesen verwandelt. Herr seiner Sinne bleibt nur Ash (Campbell), der sich des nahenden Wahnsinns und dem drohenden Tode mit der Flinte erwehrt.

Das erwachende Unheil zeigt Raimi aus subjektiver Perspektive. Die Kamera rast im Tiefflug durchs Unterholz, zerteilt Baumstümpfe und bahnt sich zielsicher ihren Weg in Richtung Hütte. Tricktechnisch holen die Macher das Optimum aus dem Budget heraus, was neben starken Masken und derber Gewalt – der Bleistift in der Ferse verfehlt seine Wirkung bis heute nicht – auch für erwähnte Bilder und die Soundeffekte gilt. Wenn die Frauen nach ihrer Verwandlung mit glasigen Augen und schriller Stimme Drohungen zu kreischen beginnen, kommt der schockierte Zuschauer kaum mehr umhin, Ash bei seinen Zerstückelungsbestrebungen zu unterstützen. So bleibt der Film auch heute noch berüchtigt wie kaum ein zweiter. Schön, dass sich gewisse Dinge nie ändern.

Wertung: (8 / 10)

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