Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi (USA 2017)

„Let the past die. Kill it, if you have to. That’s the only way to become what you are meant to be.“ – Kylo Ren

Seit der Disney-Konzern am Ruder ist, läuft es wieder im „Star Wars“-Universum. Nahezu vergessen scheint die vom fürstlich ausbezahlten Urheber George Lucas nachgereichte Prequel-Trilogie, die dem Thema zwar satte Gewinne, aber auch reichlich Kritik einbrachte. Mit der 2015 vorgestellten „Episode VII – Das Erwachen der Macht“ wendete sich das Blatt. Ungeachtet des Umstandes, dass der Auftakt zur dritten Trilogie inhaltlich kaum mehr bot als ein Remake von „Episode IV – Eine neue Hoffnung“, funktionierte die mit alten Helden veredelte Rückbesinnung auf den Charme des Ursprungs ausgezeichnet. Mit Blick auf die Fortsetzung „Die letzten Jedi“ warf das unweigerlich die Frage auf, ob das Ideen-Recycling nun auf „Episode V – Das Imperium schlägt zurück“ übergreift. Die klare Antwort: nein.

Zugegeben, Parallelen zwischen den Mittelteilen ihrer jeweiligen Trilogie bestehen fraglos. Doch dem als Regie-Ersatz für den allein als Produzent in Erscheinung tretenden J.J. Abrams („Star Trek“) verpflichteten Rian Johnson („Looper“) gelingt es nahezu durchweg, vergleichbare Elemente als Hommage zu verpacken. Die Ausgangslage des ebenfalls von Johnson verfassten Drehbuchs gibt sich samt eröffnender, hier in den Weltraum verlagerter Schlacht, vergleichbar: Der nach Allmacht strebende Imperiums-Ableger First Order ist auf dem Vormarsch und zwingt die dezimierten Rebellen um Anführerin Leia (der letzte Auftritt der 2016 verstorbenen Carrie Fisher) zur Flucht. Doch selbst der Sprung in den Hyperraum kann die Verfolger diesmal nicht abschütteln. So fasst der draufgängerische Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac) mit dem desertierten Sturmtrupp Finn (John Boyega) und Technikerin Rose (Kelly Marie Tran) einen waghalsigen Plan, um der feindlichen Flotte zu entkommen.

Parallel versucht Rey (Daisy Ridley), den letzten verbliebenen Jedi-Meister Luke Skywalker (Mark Hamill) davon zu überzeugen, neuerlich in den Kampf einzugreifen und der Rebellion neuen Schub zu verleihen. Doch der sträubt sich selbst, als er Reys gewaltiges Potenzial erkennt. Gerade diese Nebenhandlung bleibt nicht frei von Längen. Skywalker, der sich im selbstauferlegten Exil zum exzentrischen Kauz gewandelt hat, bevorzugt die Gesellschaft ulkiger Fischwesen und knopfäugiger Vögel. Da fällt selbst das Wiedersehen mit Wookie Chewbacca (Peter Mayhew) und Droid R2-D2 (Jimmy Vee) erstaunlich emotionsarm aus. Die sich insbesondere mit den schrägen Tierwesen einstellende Situationskomik passt nicht immer zum vermehrt düsteren Tenor der Geschichte. Spätestens in Hälfte zwei spielt Johnson seine Trümpfe in dramaturgischen Zuspitzungen und famosen Actionszenarien aber vollends mitreißend aus.

Eine besondere Rolle fällt dabei Rey und Sith-Lord Kylo Ren (Adam Driver) zu, die über die Macht verbunden sind und gewillt scheinen, den jeweils anderen für die Gegenseite zu gewinnen. In persona greift auch Imperator Snoke (per Motion-Capturing verkörpert von Andy Serkis) in den Konflikt ein. Der sichtlich vom asiatischen Kino beeinflusste Lichtschwert-Kampf in dessen Befehlsstand darf dabei zum Besten gezählt werden, was die Saga in Sachen Action je zu bieten hatte. Schauspielerisch gibt sich das Ensemble, zu dem auch Laura Dern („Jurassic Park“), Benicio Del Toro („Guardians of the Galaxy“) und Gwendoline Christie („Game of Thrones“) als silberner Sturmtruppen-Offizier zählen, keine Blöße. Einzig der sonst beständig sehenswerte Domhnall Gleeson neigt als überheblicher General Hux zu zweckfremder Übertreibung.

Die Vielzahl relevanter Figuren erhält, egal ob Mensch oder Droide, ausreichend Raum zur Geltung. Der altbewährte Roboter-Sidekick C-3PO (Anthony Daniels) sorgt wieder für neunmalkluge Kommentare, während der agil kugelnde BB8 seinem Vorreiter R2-D2 allmählich den Rang abläuft. Ein für Fans besonderes Wiedersehen gibt es obendrein mit Jedi-Meister Yoda, der als Puppe einmal mehr von Frank Oz gesteuert und gesprochen wird. Der Brückenschlag zwischen den Generationen glückt auch mit „Die letzten Jedi“ weitgehend reibungsfrei. Dass dabei am Rande auch politischer Subtext mitschwingt, zeigt Finns und Roses Abstecher ins dekadente Weltraum-Monte-Carlo, wo die Wurzel des Reichtums im Waffenhandel begründet liegt. Es sind solch periphere Spitzen, die den epischen und perfekt getricksten Science-Fiction-Blockbuster auf verschiedenen Ebenen zum großen Erlebnis machen. Bei Disney wissen die Verantwortlichen eben, wie es läuft.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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