Stand Fast – Challenges (2010, DIY)

Muss der deutsche musikalische Untergrund den internationalen Vergleich fürchten? Beim Blick auf STAND FAST und ihre neue EP „Challenges“ definitiv nicht! Der Titel darf durchaus programmatisch aufgefasst werden, Herausforderungen gibt es für ambitionierte Bands jenseits des Mainstreams schließlich genug. Zum Beispiel die der Verbreitung, wenn die Unterstützung des Labels plötzlich wegbricht. Aber die Münsteraner ließen sich von der Auflösung der Plattenschmiede Fear the Crowd Records nicht entmutigen und nahmen Promotion sowie Vertrieb einfach in die eigenen Hände.

Das führt einerseits zu einer schlichteren Aufmachung der EP, kommt andererseits aber der interessierten Hörerschaft entgegen. Die nämlich kann das halbe Dutzend Songs kostenlos auf der Bandseite downloaden – und sollte das, sofern sie Indie-Punk und Post-Hardcore nicht abgeneigt ist, auch schleunigst tun! Denn die im Beiblatt angeführten Vergleiche zu HOT WATER MUSIC und THRICE sind nicht einmal aus der Luft gegriffen. Wenn sie auch ein wenig die individuelle Klasse verschleiern, die STAND FAST allen voran beim Songwriting offenbaren. Hier und da scheinen genannte Wegbereiter (und solche wie POLAR BEAR CLUB) zwar durch, eine simple Kopie liefert das westfälische Quintett allerdings nicht ab.

Mit einnehmendem Melodiereichtum, mitreißenden Tempoverschiebungen und mehrstimmigen Gesangsparts wird ein ebenso raues wie herzliches Feuerwerk melancholischen Hardcore-Punks (vergessen wir einfach mal Indie und Post) abgebrannt, das mit großem Selbstbewusstsein und beständigem Energieschub für reges Erstaunen sorgt. Und weil „Challenges“ mit solch famosen Nummern wie „Affected Magnitude“ oder „Listen to the Ocean“ weite Schatten wirft, sollte es schon mit dem Teufel zugehen, wenn STAND FAST nicht bald über die Grenzen der Republik hinaus für Aufsehen sorgen würden.

Wertung: (8 / 10)

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