Stacy – Angriff der Zombie-Schulmädchen (J 2001)

stacy-2001„Von ihren Liebsten getötet zu werden, ist ihr größtes Glück.“

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts rafft eine Seuche unbekannten Ursprungs weltweit Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren dahin. Kurz vor ihrem Tode überkommt die Betroffenen die sogenannte „Near Death Happiness“, eine Phase euphorischer Glückseligkeit. Nach dem unvermeidlichen Ableben kehren die Mädchen als Zombies zurück – und werden für die Lebenden zur steten Gefahr für Leib und Leben. Die sogenannten Stacys können einzig durch Zerstückelung endgültig beseitigt werden, vorzugsweise in 165 handliche Häppchen. „Romero Repeat Kill Troops“ erledigen das blutige Geschäft, doch scheint die Epidemie das Antlitz der Erde unaufhaltsam zu tilgen.

Die Versinnbildlichung jugendlicher Unschuld findet ihre Klimax in den Uniformen japanischer Schulmädchen – eine Imagination, der sich vor allem die Manga- und Pornoindustrie bemächtigt. Nach „Battle Royale“ und „Suicide Circle“ ist „Stacy“ die dritte abseitige Verleihpremiere, die sich jenseits von „Sailor Moon“ und blankem Fleisch auf dieses Bild einlässt. Mit dem Unterschied, dass Naoyuki Tomomatsus („Eat the Schoolgirl“) Film einzig den amateurhaften Versuch unternimmt, Gesellschaftssatire mit Splatter-Spektakel zu kreuzen.

Trotz seiner kurzen Spielzeit von weniger als 80 Minuten und zahlreicher Anspielungen an die Werke von George A. Romero und Sam Raimi – u.a. gibt es in einer der wenigen gelungenen Sequenzen einen Werbespot für „Blues Campbells Right Hand 2“-Elektrosäge – ist „Stacy“ mehr strapazierend als kurzweilig. Die episodischen Handlungsstränge fügen sich kaum zu einer schlüssigen Einheit zusammen, unterschwellige Seitenhiebe werden zumeist von ungezügeltem Gore überlagert. Dabei ist die surreale filmische Absurdität einzig für hartgesottene Gemüter konzipiert – da matscht und suppt, was die Trickkiste im Rahmen der bescheidenen Produktionsbedingungen hergibt.

Die Inszenierung ist so eigentümlich wie Schnitt und Kamerapositionierung. „Stacy“ folgt in keiner Weise klaren Strukturen, was dem Film allerdings erst durch die unpassende Symbiose aus pseudophilosophischen Zwischentönen und zuckenden Gliedern zum Nachteil gereift. Unschlüssig wankt Tomomatsus experimenteller Splatter-Trash zwischen infernalischem Gemetzel und geschmackloser Sozialallegorie. Sicher, eine Abwechslung im meist wenig erwähnenswerten Fach des Untoten-Genres bietet der irre japanische Underground-Streifen allemal, doch drängt sich dahingehend eher Tetsuro Takeuchis maßlos überdrehte Rock´n´Roll-Zombie-Mär „Wild Zero“ auf.

Wertung: 2 out of 10 stars (2 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Spun (USA/S 2002)

    Based on the truth…and lies Der Drogenfilm hat sich in den vergangenen Jahren, bedingt durch den Erfolg von Danny Boyles groteskem Junkie-Drama „Trainspotting“, zunehmend als Independent-Subgenre etabliert. Zwischen melodramatischer Realitätsbeschaffenheit und verklärter Fäkalfiktion entstanden solch differente Werke wie Terry Gilliams „Fear and Loathing in Las Vegas“ oder Darren Aronofskis „Requiem for a Dream“. Mit „Spun“,…

  • Masters of Horror: Right to Die (S. 2/Ep. 9) (USA/CDN 2007)

    Die „Masters of Horror” gehen in die zweite Runde. Wieder inszenieren 13 namhafte Genre-Regisseure gut einstündige, in sich abgeschlossene Episoden. Erstmals dabei ist Rob Schmidt („Wrong Turn“), der mit „Right to Die“ einen derben Beitrag zum Thema Sterbehilfe abliefert. Dabei zeigt sich einmal mehr die Qualität von Gregory Nicotero und Howard Berger („From Dusk Till…

  • Snake Eater 3 (CAN 1992)

    „You punish the guilty. And that’s all we want.“ – Genügsam: Mutter Molison Dass B-Action-Hallodri Lorenzo Lamas („Viper“) in einer Romanverfilmung mitgewirkt hat, muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Nun lässt sich natürlich trefflich darüber streiten, ob W. Glenn Duncans „Rafferty’s Rules“ als wichtiges literarisches Werk bezeichnet werden kann. Zumal die…

  • I Am the Ripper (F 2004)

    Der Franzose Eric Anderson hat sich den Traum vom eigenen Amateurstreifen verwirklicht. Mit Eifer, Handkamera und einigen Gefährten hat er „I Am the Ripper“ geschaffen, ein zumindest in der Theorie dem Horrorgenre zugehöriges Erzeugnis. Darin sprengt der Tod eine Party und fordert den wehrhaften Gastgeber zum Duell. Das Gevatter Sensenmann unter der schwarzen Kapuze ein…

  • Bronson (GB 2009)

    „Inside I’m someone nobody wants to fuck with.“ – Bronson Wer in den Siebzigern per Künstlernamen auf einen Hollywood-Star verweisen wollte, der kam um Charles Bronson kaum herum. Zumindest dann nicht, wenn es ihm um den Respekt zwielichtiger Milieus ging. Michael Peterson, Großbritanniens vielleicht berüchtigtster Gefängnisinsasse, verfügte bereits über einen gewissen Ruf, als er sich…

  • Cujo (USA 1983)

    Schriftsteller Stephen King („Friedhof der Kuscheltiere“) gilt gemeinhin als Meister des Grauens. Und obwohl sich seine Bücher weltweit millionenfach verkaufen, werden selbige nur noch selten für die große Leinwand verfilmt. Die Ursache dafür ist simpel, entpuppten sich in der Vergangenheit doch die meisten King-Adaptionen als filmische Rohrkrepierer. „Cujo“ ist eines der Frühwerke des Autors –…