Sieben (USA 1995)

siebenfincherWenn von wegweisenden Filmen die Rede ist, sind jene einflussreichen Werke gemeint, die entweder ein eigenes (Sub-)Genre erschaffen oder eine neue Ära ihres Standes einläuten. Ein solches Ausnahmewerk ist David Finchers „Sieben“, der das Bild des modernen Thrillers nachhaltig veränderte. Das Erfolgsrezept heißt Trübsal. Die Stimmung ist endzeitlich, geprägt von andauernden Regengüssen, schier undurchdringlichen Bänken grauschwarzer Wolken und der daraus resultierenden Abstinenz des Lichts. Die Stadt ist ein verkommener müllverseuchter Moloch, der hinter aufgeplatzten Fassaden die Fratze einer degenerierten Bevölkerung offenbart.

Um sie, spezifischer die Taten eines besonders teuflischen Zeitgenossen dreht sich die nachtschwarze Ermittlungsarbeit. Zwei Polizisten gehen den Verbrechen des Serienkillers, gespielt von einem erschreckend emotionslosen Kevin Spacey („American Beauty“), nach. Der desillusionierte, vom aussichtslosen Kampf gegen das Verbrechen ausgezehrte Somerset (Morgan Freeman, „Erbarmungslos“) und der junge, noch voller Ideale steckende Mills (Brad Pitt, „Fight Club“). Sie sind Partner. Zumindest so lange, bis der Ältere aus dem Dienst scheidet. Die Ereignisse seines letzten Falls aber werden ihm Höllenqualen bereiten.

Das clevere Drehbuch von Andrew Kevin Walker („Sleepy Hollow“) lässt den Täter nach Vorbild der sieben Todsünden morden. Einfallsreich, perfide, menschenverachtend bringt er seine Opfer ums Leben und hinterlässt am Tatort stets genug Hinweise, um die ermittelnden Polizisten auf Trab zu halten. Die Kontrolle gibt er dabei nie aus der Hand. Selbst die eigene Auslieferung dient nur dem kriminellen Masterplan und der Vollendung einer Mordserie, die Protagonisten und Zuschauer ob ihrem makabren Nihilismus nur faszinieren und zugleich abstoßen kann. Fincher zerrt dazu an den Nerven. Ohne Tempo, allein durch die suggestive Kraft der alptraumhaften Bilder.

Neu war dies Schema bereits zu dieser Zeit nicht. Jonathan Demme hatte mit „Das Schweigen der Lämmer“ den Prototyp des modernen Thrillers vorgelegt. „Sieben“ darf dazu als stilisierte Ergänzung, möglicherweise gar Steigerung verstanden werden. Fincher und Walker geben der Gänsehaut eine Bühne, auf der das Schöne, das Unschuldige keine Chance hat. Dafür steht Gwyneth Paltrow („Shakespeare in Love“), die als Mills Gattin selbst Teil des bestialischen Plans wird. Am Ende ist nichts mehr wie zuvor. Auf der Leinwand und auch davor. Filme wie diese sind selten. Umso mehr gilt es sie zu feiern. Nicht weniger als ein unvergesslicher Meilenstein.

Wertung: (10 / 10)

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