House of Cards (Season 1) (USA 2013)

house-of-cards-season-1„There are two kinds of pain. The sort of pain that makes you strong, or useless pain. The sort of pain that’s only suffering. I have no patience for useless things.“ – Schmerzhaft pragmatisch: Frank Underwood

Politik ist ein dreckiges Geschäft. Wer das (noch immer) nicht glauben will, der verlasse sich auf die An- und Einsichten von Michael Dobbs. Der brachte es Ende der Neunzehnsiebziger zum Berater der damaligen britischen Oppositionsführerin Margaret Thatcher und wurde unter Premierminister John Major stellvertretender Vorsitzender der konservativen Partei. Zwischen 1989 und 1994, noch während seiner einflussreichen politischen Tätigkeit, schrieb er drei Romane, in denen er den Aufstieg (und Fall) eines intriganten Machtmenschen in den Kreisen der Regierung schilderte. Andrew Davies („Mr Selfridge“) adaptierte die Bücher für drei Mini-Serien (1990-1995) und produzierte mit Dobbs auch den US-Ableger „House of Cards“.

Mit dem stieg der Streaming-Dienstleister Netflix 2013 ins florierende Seriengeschäft ein – und landete gleich einen Volltreffer. Das große Vertrauen teilten u.a. auch „Gone Girl“-Regisseur David Fincher und Eric Roth (Oscar-prämierter Autor von „Forrest Gump“), die neben Hauptdarsteller Kevin Spacey („American Beauty“) ebenfalls als Produzenten in Erscheinung treten. Für die Umsetzung verantwortlich ist „Ides of March“-Autor Beau Willimon, der die amerikanische Adaption kreierte und an den Drehbüchern diverser Episoden beteiligt ist. Die Namhaftigkeit der Strippenzieher allein lässt bereits großes erahnen. Doch das komplexe, bitterböse und brillant gespielte Polit-Ränkespiel übertrifft die Erwartungen um ein Vielfaches.

Erzählerisches Tempo, offensiven Nervenkitzel oder gar Action braucht es dazu nicht. Es genügt bereits der überragende Kevin Spacey, der, immerhin zweifacher Oscar-Gewinner, als demokratischer Kongressabgeordneter Francis ‚Frank‘ Underwood sämtliche Register zieht. Das schließt – wie beim britischen Original – auch die direkte Kommunikation mit dem Zuschauer ein, dem er immer wieder Zusammenhänge erklärt oder durch flüchtige Blicke samt rollender Augen Richtung Kamera die Absurdität verschiedener Situationen vorhält. Der Beginn der ersten Staffel, inszeniert von Fincher selbst, bringt mit Garrett Walker (Michael Gill) einen neuen Präsidenten ins Weiße Haus. Als Majority Whip ist es Franks Aufgabe, den Kongressabgeordneten seiner Partei als Richtungsweiser zu fungieren. Walkers Präsidentschaft half er so maßgeblich zu sichern.

„For those of us climbing to the top of the food chain, there can be no mercy. There is but one rule: hunt or be hunted.“ – Rastloser Jäger: Frank Underwood

Nur springt für ihn in der neu gebildeten Regierung kein höherer Posten heraus. Ausgerechnet hatte sich Frank die Berufung zum Staatssekretär. Doch die anfangs bittere Enttäuschung münzt er schnell in Tatendrang um und spinnt ein Netz aus Intrigen, das die Regierung punktuell schwächt und ihn nachhaltig für höhere Aufgaben prädestiniert – vorrangig das Amt des Vizepräsidenten. Um die Weichen für seinen Aufstieg zu stellen, diskreditiert Frank zunächst politische Widersacher, peitscht eine umstrittene Bildungsreform durch und füttert die aufstrebende Jungjournalistin Zoe Barnes (Kate Mara, „American Horror Story“) – mit der sich zudem in ein Verhältnis verstrickt – mit enthüllenden Informationen.

Daneben baut er den alkohol- und drogenabhängigen Abgeordneten Peter Russo (Corey Stoll, „The Strain“) als aussichtsreichen Kandidaten für das Senatorenamt von Pennsylvania auf. Bei der Umsetzung seiner perfiden Pläne kann Frank neben der loyalen Gattin Claire (Golden Globe-prämiert: Robin Wright, „Moneyball“) vor allem auf die Dienste seines Stabschefs Douglas Stamper (Michael Kelly, „Die Unfassbaren – Now You See Me“) zählen. Der erledigt für Frank die unbequemen Jobs und hat, als das Projekt Russo zu scheitern droht, alle Hände voll zu tun, die Ex-Prostituierte Rachel (Rachel Brosnahan, „The Blacklist“) im Zaum (und aus der Öffentlichkeit) zu halten. Als Frau im scheinbaren Hintergrund nimmt Claire, die als Entscheidungsträgerin einer gemeinnützigen Organisation für die Verflechtung von Politik und Wirtschaft steht, eine Schlüsselrolle ein.

„House of Cards“ ist ein famos besetztes und überragend gespieltes Charakter-Drama, das sich für die Auslotung der Figuren viel Zeit lässt. Als Anti-Held hat Spaceys skrupelloser Scheißkerl Frank Underwood sowohl die Bewunderung als auch die Verachtung des Publikums auf seiner Seite und beschert der an Ambivalenz nicht gerade armen TV-Landschaft einen weiteren Sofort-Klassiker. Gegen Ende, wenn Frank dem erklärten Ziel durch die Überschreitung der letzten moralischen Grenze greifbar nahe ist, wächst sich die von Hollywood-Größen wie James Foley („Glengarry Glen Ross“), Joel Schumacher („Falling Down“), Carl Franklin („One False Move“) oder Allen Coulter („Die Sopranos“) gedrehte Staffel zum handfesten Polit-Thriller aus. Denn Zoe beginnt sich von Franks Einfluss zu lösen und geht dessen Verstrickungen mit Hilfe zweier Kollegen nach. Ein überragender Serienauftakt, der von Staffel zwei nahtlos fortgeführt wird.

Wertung: (9 / 10)

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