Blue Steel (USA 1989)

blue-steelKathryn Bigelow durchbrach die Männerdomäne des Actionfachs. Ihr Debüt „Near Dark“ blieb eine unterschätzte Mischung aus Vampir-Horror und Road-Movie, ebnete der späteren Gattin von „Titanic“-Regisseur James Cameron aber den Weg nach oben. Der nächste Kilometerstein, der auch von ihr geschriebene Thriller „Blue Steel“, bedeutete zugleich ihren Durchbruch. Darin trieb sie die Emanzipation des Genres, auf den Weg gebracht durch Sigourney Weaver als Heroine in Ridley Scotts „Alien“, mehr noch Camerons erster Fortsetzung, mit Hauptdarstellerin Jamie Lee Curtis („Halloween“) erfolgreich voran.

Den größten Nutzen zieht Bigelow aus Curtis’ Verletzlichkeit. Als Megan Turner ist sie nicht die resolute Amazone, sondern das fragile Küken in Uniform, das sich seine Sporen erst verdienen muss. Auf Kosten eines psychopathischen Mörders. Frisch von der Polizeiakademie in den Dienst an der Großstadt entlassen, hat sie auf dem Revier mit den klassischen Vorurteilen des männlichen Kollegenstabes zu kämpfen. Die Ausbildung absolvierte die selbstbewusste junge Frau gegen den Willen des dominanten Vaters. Der scheint Recht zu behalten, als Megan sich mit der Erschießung eines Ladendiebs (Tom Sizemore, „Heat“) gleich kontrovers in die neue Aufgabe fügt.

Dank erhält sie keinen. Im Gegenteil, sie wird vom Dienst suspendiert, weil die Waffe des Täters unauffindbar bleibt. Die jedoch hat sich der gelangweilte Anzugträger Eugene (Ron Silver, „Timecop“) am Tatort angeeignet und erschießt damit wahllos Menschen. Auf den Patronenhülsen findet die Polizei Megans Namen, worauf die Suspendierung aufgehoben und sie dem erfahrenen Ermittler Mann (Clancy Brown, „Highlander“) zur Seite gestellt wird. Unterdessen macht sich Eugene unter Vertuschung seines wahren Ichs an Megan heran, glaubt er in ihr doch eine misanthropische Geistesverwandte erspäht zu haben.

In kühlen, dem Titel entsprechend blau stilisierten Bildern, führt Bigelow die packend erzählte, jedoch zusehends unglaubwürdige Geschichte auf einen infernalischen Höhepunkt zu. Dabei geizt sie weder mit Zeitlupen noch mit spritzendem Kunstblut. Visuell und auch darstellerisch über jeden Zweifel erhaben, hinkt einzig die dramaturgische Auskleidung dem positiven Gesamteindruck hinterher. Eugenes Motive bleiben vage, die Macht der Waffengewalt nur ein Vorwand für das aufbrechende Psychoduell. Am Laufen gehalten wird das durch die Unfähigkeit der Justiz, den Mörder trotz harter Verdachtsmomente in Bedrängnis zu bringen. Ein inhaltlich bisweilen magerer, dafür optisch umso eleganterer Thriller.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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