Sie leben! (USA 1988)

sieleben„I came here to chew bubblegum and kick ass.“ – Nada

Eigentlich haben wir es schon immer geahnt: Die Gesellschaft wurde von Aliens unterwandert. Den Mut zur Äußerung hatte bislang nur B-Autorenfilmer John Carpenter („Die Klapperschlange“), der mit „Sie leben!“ ein zynisches Spiegelbild der Reagan-Ära abbildete. Zwischenmenschliche Beziehungsgefüge sind von Gleichgültigkeit überschattet, das hehre Ziel des Einzelnen liegt im Konsum. Ihre Anonymität wahren die Außerirdischen durch Ankurbelung der Wirtschaft, was gewieften Mitwissern die Taschen füllt und den kleinen Mann in medialen Tiefschlaf versetzt.

Ein Sender hält die Illusion, respektive die menschliche Gestalt der Wesen, aufrecht. Er transportiert auch Imperative ins Unterbewusstsein, solche wie „Schlafe“, „Gehorche“, „Sieh fern“. Sie finden sich überall. Auf Werbetafeln, Zeitschriften, selbst auf Geldscheinen prangt „Das ist euer Gott“. Diese die Realität infiltrierende Zwischenwelt ist nur durch bestimmte Sonnenbrillen zu sehen, die den wahren Charakter des Stadtbilds als unheimliche schwarz-weiße Betonwüste wiedergeben. Und die Fremden als das zeigen, was sie sind – fahle Monstren mit totenkopfähnlichen Gesichtszügen.

Ausgerechnet dem Wanderarbeiter John Nada (Ex-Wrestler Roddy Piper, „Back in Action“) fällt eine solche Brille in die Hände, als die Staatsgewalt eine Untergrundorganisation gewaltsam aushebt. Der Verunsicherung folgt der Schrecken, worauf er im Amoklauf sein Heil sucht und Meg Foster („Blinde Wut“) als Geisel nimmt. Die aber hätte ihm allein aufgrund ihrer kalten blauen Augen suspekt sein müssen. Mit Prügel überzeugt er den Kollegen Keith David („Saigon“), sich auch eine Sehhilfe zuzulegen und fasst den gemeinsamen Entschluss, den profitorientierten Invasoren auf den Pelz zu rücken.

Carpenters ansehnlicher Billigfilm ist als Satire nur halbgar, fährt dafür aber brauchbare Effekte auf. Die Ausgangssituation erinnert an Science-Fiction-Kino der 50er, wo der Feind in den eigenen Reihen als Sinnbild für die politische Gegenseite fungierte. In den bemüht subversiven Plot kehrt jedoch keine Stringenz ein. Die Rebellenorganisation taugt nur zur Aufreibung durch Polizeigewalt, die folgenden Erläuterungen des Alien-Netzwerkes sollen lediglich die Aussichtslosigkeit des Kampfes weniger gegen das repressive System stützen. Bis zum erst bitteren, dann gewohnt pointierten Showdown wird viel geballert, leider aber wenig Bleibendes geboten. Ein arg angestaubtes Vergnügen.

Wertung: (5 / 10)

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