Spoiler – Verdammt im Eis (USA 1998)

spoilerdanielsWas muss sich Gary Daniels („Fist of the North Star“) gefreut haben, als ihm die Hauptrolle im Science Fiction-Drama „Spoiler“ angetragen wurde. Endlich mal schauspielern, mit verschiedenen Gesichtsausdrücken und einer körperlichen Gesamtbetrachtung, die über das übliche kampfsportlerische Recken der Glieder hinaus geht. Nur bleibt der von Jeff Burr („Leatherface: Texas Chainsaw Massacre III“) gedrehte B-Film deutlich hinter der eigenen Ambition zurück und präsentiert neben den gewohnten Kellerkulissen einer lebensunwürdigen Zukunft vor allem eine reichlich krude aufgezogene Geschichte.

Die dreht sich um Roger Mason (Daniels), der im entarteten Übermorgen zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verknackt wird. Natürlich für ein Verbrechen, an dem er keinerlei Teilhabe hatte. Seiner Verwahrung entzieht sich der Familienvater jedoch, um seine kleine Tochter zu sehen. Wieder eingefangen, verurteilt man ihn zu 26 Jahren Tiefkühlung („Demolition Man“ zum Ersten!). Beim künstlichen Schlaf lässt es das kafkaeske System aber nicht bewenden. Die ursprüngliche Kerkerzeit muss trotzdem abgesessen werden.

Nachdem Mason im Zuge des Erwachens von einem steifen Mediziner (Arye Gross, „House II“) streng bürokratisch über den Tod seiner Eltern aufgeklärt wurde, gesteht ihm das System in seiner resozialisierenden Güte ein Hobby zu. Da Mason seiner Sammelleidenschaft für Waffen nicht nachkommen kann, wählt er eben das Sockennähen („Demolition Man“ zum Zweiten!). Für andere Häftlinge wird der Querulant zum Helden. Doch der will kein Idol sein, sondern zurück zu seiner Familie. Der nächste Ausbruch lässt nicht lange auf sich warten.

Die bereits durch ihre übertriebene Ernsthaftigkeit zu unfreiwilliger Komik neigende Zukunftsaussicht hält durch hübsch billige Endzeit-Studiokulissen (nebst an „Blade Runner“ angelehnte Stadtbildvisionen) und überzogene Darstellerleistungen bei Laune. Action bleibt in dem von John Eyres („Shaowchaser“) produzierten Streifen jedoch rar gesät, als Normalo bezieht Daniels gar deutlich mehr Prügel als er austeilen darf. Woher die Altersfreigabe ab 18 rührt, bleibt daher fraglich.

Nicht minder nebulös mutet die verheißungsvoll frühe Ankündigung der Randakteure Jeffrey Combs („Fortress – Die Festung“), Meg Foster („Sie leben!“) und Bryan Genesse („Human Timebomb“) in den Anfangstiteln an. Aber vor lauter akribischer Einflechtung dämlicher Logikfehler (im Gegensatz zu Gross scheint keiner der regulären Knackis über die Jahrzehnte zu altern!) kann man eben nicht auf alles achten. So folgt Flucht auf Flucht, bis ein emotionales Finale den (bemüht) tragischen Schlusspunkt einläutet. Nicht vollends verhunzt und doch nur unweit vom Super-GAU entfernt, bleibt wohl nur die Freude für Daniels, die Bezeichnung „Schauspieler“ auch mal verdient zu haben. Naja, wenigstens im Ansatz.

Wertung: 3.5 out of 10 stars (3,5 / 10)

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