Shiver – Die düsteren Schatten der Angst (E 2008)

shiver-2008Santi (Junio Valverde) ist 16 Jahre alt und wie so ziemlich jeder Pubertierende hat er mit all den Anforderungen des immer anstrengender werdenden Erwachsenenlebens zu kämpfen. Nur ist es für ihn doch einen Tick anstrengender als für andere Gleichaltrige. Denn der scheue Junge leidet unter Xeroderma Pigmentosum, sprich einer lebensbedrohlichen Sonnenscheinallergie. Verständlich ist demnach sein Wunsch, aus dem sonnigen Barcelona wegziehen zu wollen. Am liebsten sollte es nach Lappland gehen, den Norden Schwedens, wo das Tagesgestirn eh nicht allzu stark gegenwärtig ist. Doch Mutter Angela (Blanca Suárez) ist die Sache zu kostspielig, so dass sie sich darauf einigen, nach Arrozas de Valdeon umzusiedeln, einem kleinen und von hohen Bergen umgebenen Dorf im tiefsten Nordspanien. Eine Autofahrt später ist das gelobte Land erreicht.

Doch statt eines ruhigeren Lebens hat Santi plötzlich mit noch größeren Problemen zu kämpfen. In den dunklen Wäldern treibt sich nämlich ein Geschöpf herum, das zunächst nur Tiere auf bestialische Art und Weise über den Jordan schickt, binnen kürzester Zeit aber auch vor Menschen nicht mehr halt macht. Nach dem Mord an einen Dorfjugendlichen, den Santi mit ansehen musste, beschuldigt ihn die aufgebrachte Dorfgemeinschaft – wie könnte es anders sein – gleich selbst. Santi macht sich daran, das Mysterium zu lüften und dem Grauen ein Ende zu bereiten. Wenn es sein muss auch im Tageslicht. Die Wahrheit aber ist alles andere als angenehm.

Es ist mal wieder an den Spaniern der Welt zu zeigen, wie kunstvoller, subtiler und spannender Grusel gemacht wird. „Darkness” (Jaume Balagueró, 2002), „Das Waisenhaus” (Juan Antonio Bayona, 2007), „The Orphan” (Jaume Collet-Serra, 2009) und einige andere Titel sind dafür der beste Beweis. Auch Isidro Ortiz kann sich mit seinem im Original „Eskalofrio“ betitelten Genrebeitrag zu dieser illustren Runde von innovativen Regisseuren hinzurechnen, die es verstehen ihre Zuschauer lange im Dunkeln tappen zu lassen – um sie am Schluss mit einem Plot-Twist zu überraschen, den sie wahrlich nicht erwartet haben.

Es dürfte sicherlich nicht allzu viel vorweggenommen werden, wenn an dieser Stelle verraten wird, dass der tatsächliche Grund für das eine oder andere brutale Ableben kein Werwolf, kein Vampir und auch kein maskentragender Psychopath ist. Die Erläuterung fällt um einiges bodenständiger aus. Santi hat seinem Handicap zu „verdanken“, dass die von Anfang xenophoben und skeptisch dreinblickenden Dorfbewohner gerade ihn zum Sündenbock für die grässlichen Verbrechen machen wollen. Für einen Teenager, der damit kämpfen muss, dass sein bester (und einziger) Freund in Barcelona zurückgeblieben ist, nebenbei die ersten Erfahrungen mit dem unbekanntem Wesen „Mädchen“ machen darf und last but not least als Mörder angeklagt wird, sicherlich kein leichter Weg in ein neues Leben.

Die Balance aus Coming of Age-Drama und Mystery-Horror-Thriller gelingt Ortiz eindrucksvoll, auch wenn manch ein Zuschauer bemängeln könnte, dass der Schluss doch etwas zu dick aufgetragen sein könnte. Nichtsdestotrotz bleibt „Shiver“ ein spannendes Stück Kino, das jedem gefallen könnte, der sich Zeit nehmen kann für eine nervenzerrende und gut erzählte Geschichte. Alle anderen sind mit „Saw 12“ sicher besser bedient.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

 

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