Sharknado (USA 2013)

sharknadoEin Sturm rast auf uns zu. Und da er vom Billigfilmstudio The Asylum entfesselt wurde, ist es ein denkbar trashiger. Als Sublimierung des Kinohits „Bait – Haie im Supermarkt“, in dem ein Tsunami zwei Killerfische in tiefergeschossige Ladenräume spülte, saugt nun eben ein auf Los Angeles zusteuernder Wirbelsturm Haie aus dem offenen Meer ab. Diese regnen dann in loser Folge über dem Stadtgebiet hernieder und sorgen auf überschwemmten Straßen für reichlich Chaos. Das klingt erst einmal herrlich bekloppt, wird der haltlos überzogenen Prämisse aber leider nur eingeschränkt gerecht.

In der Hauptrolle müht sich der einstige „Beverly Hills 90210“-Star Ian Ziering um Haltungswahrung, was angesichts gewohnt lächerlicher Computertricks und diversen Wackelfahrten mit im Studiointerieur nassgespritzten Autos nicht eben leicht fällt. Ziering spielt Fin (!), einen Strandbarbetreiber, der erst die Vertilgung von Badegästen durch ein Rudel angriffslustiger, vom nahenden Sturm vorwärtsgetriebener Haie erleben muss, ehe diese vom „Sharknado“ auch aufs Festland getragen werden. Mit Kumpel Baz (Jaason Simmons, „Baywatch“) und Kellnerin Nova (Cassie Scerbo, „Make It Or Break It“) macht er sich auf den Weg, Ex-Frau April (sympathiefrei: Tara Reid, „Vipers“) und Tochter Claudia (Aubrey Peeples, „Ace Ventura 3“) zu retten.

Staatliche Küstensicherung oder Evakuierungsmaßnahmen sind in Anthony C. Ferrantes („Headless Horseman“) Fernsehramsch kein Thema. Sonst könnte Ziering schließlich nicht an jeder Ecke den Helden spielen. In einer absurden Nebenrolle mit von der Partie ist übrigens auch John Heard („Kevin – Allein zu Haus“), der als Trinker George einfach nicht von seinem Barhocker lassen will. Da werden hoffentlich keine Parallelen zum offenkundig gesunkenen Charakterdarsteller selbst gezogen! Jedenfalls gilt es nach der Rettung von Ex und Tochter auch noch den gemeinsamen Sohn Matt (Chuck Hitinger, „Boogeyman 3“) zu retten. Dem Familienschmonz jedoch ist das bisweilen deutlich zu viel.

Aber was soll’s? „Sharkando“ war – nicht zuletzt durch gewaltiges internationales Medienecho – ein Riesenerfolg und verbuchte während der Ausstrahlung auf Syfy rekordverdächtige Twitter-Reaktionen. Kluges Marketing macht aber noch längst keinen guten (schlechten) Film. Denn wirklich Spaß bereitet der absurde Katastrophen-Horror erst am Schluss, wenn sich die Überlebenden mit Kettensäge und selbstgebastelten Bomben bewaffnen, um zu Boden platschenden Haien und dem sich teilenden Wirbelsturm den Kampf anzusagen. Dem Potenzial denkwürdigen Filmschunds wird der Streifen damit allerdings nur ansatzweise gerecht.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Arena (USA 2011)

    Offenbar braucht Samuel L. Jackson dringend Geld. Anders ist seine Mitwirkung im strunzdummen Actionfilm „Arena“ kaum zu erklären. Unsägliche Ausreißer gab es in der Vita des lässigen Mimen zwar bereits in der Vergangenheit – man entsinne sich allein „The Spirit“ –, Schund dieses Kalibers ist aber hoffentlich kein Indiz für ausbleibende Angebote in qualitativ respektablen…

  • Die wilden Hühner (D 2006)

    Irgendwo in einem Provinznest im tiefen Westen der Republik machen Grundschüler, was sie eben so machen – sie tun sich in Banden zusammen. Doch anstatt Autos zu knacken oder Drogen zu nehmen, beschränken sich die gemeinsamen Aktivitäten eigentlich auf fröhliches Beisammensein an lauen Sommernachmittagen und natürlich die gegnerische Bande, meist durch anderes Geschlecht gekennzeichnet, zu…

  • Nevada Pass (USA 1975)

    „Ich bin kein Mann der Gewalt.“ Es gibt wohl kaum einen Kinocharakter, dem man solch einen Ausspruch weniger abnimmt, als dem ewigen Vigilanten Charles Bronson („Death Wish“). Doch so unglaublich es klingen mag, in „Nevada Pass“ benutzt er fast ausschließlich seinen Kopf. Er ist Deakin, eine Art Wildwest-Columbo, der vor rüdem Charme sprüht und immer…

  • Filth – Drecksau (GB/USA/D/SE/B 2013)

    „There is something wrong with me. There is something seriously wrong with me.“ – Mit später Einsicht: Bruce Bruce Robertson ist eine Drecksau. Nein, nicht aufgrund seiner Profession als Polizist, sondern weil er auf Recht und Moral pfeift. Dass Sex und Drogen dabei eine wesentliche Rolle spielen, lässt sich bereits an der Urheberschaft von „Trainspotting“-Autor…

  • Red Machine – Hunt or Be Hunted (USA/CDN 2014)

    Im filmischen Sujet des Tier-Horrors ist Qualität selten (geworden). Ungefähr im Jahresturnus flimmert ein versprengter Beitrag über die große Leinwand (zuletzt solche wie „The Grey“ oder „Bait 3D“), während auf dem Heimkinosektor pro Quartal eine gefühlte Hundertschaft qualitätsloser Billigproduktionen (bevorzugt aus dem Hause The Asylum) jeden Glauben an die Erben von „Die Vögel“ und „Der…

  • I Heart Huckabees (USA/D 2004)

    Abseits des Mainstream schuf Independent-Regisseur David O. Russell mit „Flirting with Disaster“ und „Three Kings“ zwei hervorragende Filme. Ein Massenpublikum sprach er damit nicht an. Als Konsequenz gelangten seine Werke nicht über den Status kleiner Geheimtipps hinaus. Diesen Umstand ändert wohl auch Russells jüngstes Projekt „I Heart Huckabees“ nicht, floppte der Film doch trotz Starbesetzung…