Shanghai Hero – The Legend (HK 1997)

shanghaiheroChina zur Jahrhundertwende: Aus den ärmlichen Provinzen strömen die Menschen in die urbanen Ballungsräume, wo die Chancen auf Arbeit und Wohlstand immens erscheinen. Dass sie in Wahrheit nur ungleich größer als auf dem Land sind, gebietet den Massen keinen Einhalt. Unter den Ankömmlingen ist auch Ma Wing Jing (Takeshi Kaneshiro, „Fallen Angels“), der bald die Aufmerksamkeit der Unterweltgröße Tam See (Yuen Biao, „Once Upon a Time in China“) erregt. Der ist einer der Triadenbosse, die in Shanghai um die Vorherrschaft ringen.

„Shanghai Hero – The Legend“ ist ein Quasi-Remake des Shaw Brothers-Klassikers „Der Pirat von Shantung“. Mit beachtlichem Budget und populären Darstellern schuf der bewährte Corey Yuen („Bodyguard von Peking“) ein prächtiges, sehr auf Theatralik setzendes Eastern-Spektakel mit reichlich blutiger Action. In der Ausstattung kann die thematische Neugestaltung durchaus mit der Hochzeit des Genres mithalten, inhaltlich hingegen scheitert das zerfahrene und allzu sprunghaft abgehandelte Handlungskonstrukt fast in voller Breite.

Unterstützt wird Tam See von den britischen Besatzern, sein Gegenspieler weiß im Gegenzug die Polizei hinter sich. In diesen Machtkampf gerät auch Ma Wing Jing, der sich in Sängerin Yam Yueng Tien (Valerie Chow, „Total Risk”) verliebt. Die wird angestellt von Nachtclubbesitzerin Kim Ling Zhe (Jessica Hester, „Hunted Hunter”), die ihrerseits ein Auge auf Tam See geworfen hat. Die Sorge um den Geliebten treibt sie in einen folgenschweren Pakt mit dessen Rivalen. Wachsenden Problemen sieht sich derweil auch Ma Wing Jing gegenüber, den der unbedingte Wille zum Aufstieg nachteilig verändert.

Der überzogene und nicht eben um historischen Realismus bemühte Film macht durch die spektakuläre Choreographie der Kämpfe, neben dem Körper vor allem mit Äxten geführt, einigen Boden gut. Weitere Abstriche jedoch müssen durch den wiederum kruden Humor gezogen werden, für den Kaneshiros Filmbruder Yuen Wah („Eastern Condors“) zuständig ist. Selbst vor handfesten Trash-Momenten schreckt Corey Yuen nicht zurück. Allein die Szene, in der Ma Wing Jings Pferd zum Held wider Willen wird und einen Gegner mit den Vorderhufen traktiert, lädt eher zum unfreiwilligen Schmunzeln ein.

Mit einer geradlinigeren Narrative und größerer Sorgfalt bei der Figurenzeichnung hätte dies auf Sparflamme köchelnde Epos seinem Anspruch tatsächlich gerecht werden können. So aber bleiben nur das sehenswerte Ensemble und die erstklassige Action, die sich in einem furiosen und gar überraschend bleihaltigen Finale zur nachhaltigen Klimax aufschwingt. Auf Logik wird einmal mehr keinerlei Rücksicht genommen, so dass bei aller Rasanz ein schaler Beigeschmack bleibt.

Wertung: (6 / 10)

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