Once Upon a Time in China (HK 1991)

ouaticjetliEnde der achtziger Jahre steckte das Hongkong-Kino in einer tiefen Krise. Der Befreiungsschlag kam durch den Einsatz Tsui Harks, der mit „Meister des Schwertes“ und „Once Upon a Time in China“ die Renaissance des klassischen Kampfkunst-Spektakels einläutete. Er besann sich auf traditionelle Stärken, das Erbe King Hus, populäre Heldenfiguren wie Wong Fei Hung, peppte diese mit moderner Tricktechnik auf und brach eine schiere Lawine artverwandter Produktionen los. Durch ihn etablierte sich Jet Li („Swordsman II“) als neuer Actionstar und wurde in immer furioseren Fight-Sequenzen über die Leinwand getrieben.

China 1875: Briten und Amerikaner plündern skrupellos und von den Mandschuren gebilligt die natürlichen und menschlichen Ressourcen des Reiches. Es lockt die neue Welt, scheinbar mit Gold gepflastert, jedoch nur ein nimmer sattes schwarzes Loch für Sklaven und Huren. Jener Wong Fei Hung (Jet Li), Kung Fu-Meister und medizinischer Gelehrter, versucht dem wachsenden Einfluss der Kolonialmächte mit Diplomatie zu begegnen, damit der traditionelle chinesische Lebensstil nicht von den westlichen Gepflogenheiten absorbiert wird. Damit gerät er in Verruf und wird gar der Unruhestiftung bezichtigt.

Das Manko des epochalen Spektakels ist das Skript, das sich im Geflecht der vielen Figuren verzettelt, ohne sie tatsächlich mit Leben zu füllen. Fei Hungs Cousine Yee (Rosamund Kwan, „Schrift des Todes“), die lange im Ausland lebte und durch ihre Nähe zur westlichen Kultur Argwohn erregt, wird in seine Obhut übergeben. Daneben ist es Landei Leung Foon (Yuen Biao, „A Man Called Hero“), der unbedingt als Schüler von Meister Wong aufgenommen werden will. Zu den Konflikten mit den Fremden, die ihn töten wollen, gesellt sich auch noch der mittellose Kung Fu-Meister Yim (Yen Shi-Kwan, „Iron Monkey“), der sich über den Triumph im direkten Duell Ruhm und Ehre verspricht.

Mit ihm nimmt die Action zu, was auch zum fast legendären Zweikampf mit Fei Hung auf einer Quasi-Wippe angehäufter Leitern führt. Die Choreographie der akrobatischen Handgemenge, einmal mehr kreiert von Yuen Woo Ping („Tai-Chi“), ist spektakulär, wogegen die Geschichte des konventionellen Kostüm-Abenteuers beständig verblasst. Die Atmosphäre jedoch, die soliden Darsteller, allen voran die Mischung aus beeindruckender Fotografie und der Musik James Wongs („Bullet in the Head“), machen das Eastern-Abenteuer zu einem echten Erlebnis.

Auf der einen Seite ein beeindruckend gestaltetes Epos, zeigt „Once Upon a Time in China“ aber auch den kreativen Abstieg des einstigen Visionärs Tsui Hark auf, der Risiken zu scheuen scheint und sich auf das geradlinige Abspulen bekannter Elemente beschränkt. Die ursprüngliche deutsche Version war um rund eine halbe Stunde gekürzt und lies die Breite des Plots bestenfalls erahnen. Die Komplettfassung ist mittlerweile auch hierzulande auf DVD erhältlich. Erst durch sie wird das aufwändige Opus zu dem, was es tatsächlich ist: Einer der großen Klassiker des modernen Hongkong-Kinos.

Wertung: (8 / 10)

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