Reggie and the Full Effect – 41 (2018, Pure Noise Records)

Auch James Dewees wird älter. Bei den GET UP KIDS ist er der Mann am Keyboard. Dazwischen rief er REGGIE AND THE FULL EFFECT ins Leben und persiflierte – mit Unterstützung verschiedener Kansas-City-Kumpane – die Standards des Emo-Genres. Zwanzig Jahre später ist auch Dewees im Herbst des Lebens angekommen. Dass ihm der Schalk aber noch immer im Nacken sitzt, beweist der hinsichtlich Cover und Titel an Adele angelehnte siebte (Solo-)Langspieler „41“. 

Selbst wenn der Spaß einmal mehr nicht zu kurz kommt, schlägt Dewees doch weitgehend ernste Töne an. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Schmerz und Verlust, aber auch Zuneigung und Trost. Der Sarkasmus der frühen Outputs weicht einer aufrichtigen Melancholie, die zum Herzerweichen einlädt. Treffliche Beispiele sind „Broke Down“, „New „Maggie“, das traurige „New Years Day“ oder der finale Schmachtfetzen „Off Delaware“. Die Gegenseite (und die Platte an sich) wird vom Intro „Il Sniffy Incontra“ eingeleitet, in der Reggie aufgerufen wird, seine Müdigkeit mit „Sniffy“ zu behandeln. Auch eine Möglichkeit.

Beim ungewohnt druckvollen „Karate School“ geht es um Nonsens zwischen Kampfsportschule und Fressepolieren, während „Trap(ing) Music“ die akzentreiche Integration der (fiktiven) finnischen Metal-Band COMMON DENOMINATOR bedeutet. Dewees, der mitunter sämtliche Instrumente seiner Platten selbst einspielte und über die Jahre wechselnde Unterstützer für sein sympathisches Musikprojekt um sich scharte, lässt weiterhin durchweg spüren, dass ihn die Lust am individuellen Klangerlebnis umtreibt.

Dass er dabei vermehrt auf Synthie-Klänge setzt und bisweilen gar in Richtung Elektro-Pop tendiert – abseits des instrumentalen 80’s-Revivals „Channing Tatum Space Rollerblading Montage M…“ scheint offensichtlich, dass auch Dewees der „Drive“-Soundtrack gefallen hat –, beschert der Gefälligkeit keinen Abbruch. Bestenfalls der Dynamik, die über stattliche, bisweilen pop-punkige Hits wie „Il Pesce Svedese“, „Alone Again“, „Heartbreak“ oder „The Horrible Year“ aber noch immer ausreichend Geltung erlangt. Für die in kultischer Verehrung hinter REGGIE AND THE FULL EFFECT stehende Fanbasis bietet damit auch „41“ sichere Beute mit wiederum stattlichem Gefälligkeitsfaktor.

Wertung: (7,5 / 10)

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