Reeker (USA 2005)

reekerDem Horrorfilm haftet der Ruf ewiglicher Themenwiederholung an. Nicht zu Unrecht, werden doch die immer gleichen Konzepte wie in einer Endlosschleife abgespult. Das gilt sowohl für den auf Explikation von Gewalt ausgelegten Bereich des Splatter-Movies, als auch für den spannungsorientiert subtilen Mystery-Schocker. Letzterem obliegt nicht selten die Bürde einer unerwarteten Finalwendung, um zumindest von hinten heraus den Anschein von Originalität zu wahren. Dave Paynes „Reeker“ ist ein weiteres Belegexemplar für jenen Trend der Ära nach „The Sixth Sense“, die überraschende Klimax zum Obligatorismus des Genres stempeln zu wollen. Das gestaltet den wohligen Low-Budget-Spuk nicht grundsätzlich schlecht, schnitzt ihn aber aus dem gleichen Holz wie den ein Jahr zuvor inszenierten „Dead End“. Und das bedeutet nicht weniger als den erneuten Rückgriff auf die makabre Pointe des Schwarz-Weiß-Klassikers „Carnival of Souls“.

Die Story ist schnell erzählt: Fünf junge Studenten – u.a. Devon Gummersall („Dead & Breakfast“) und Derek Richardson („Hostel“) – schließen sich auf dem Weg zu einem Partywochenende zu einer Fahrgemeinschaft zusammen, stranden jedoch, nachdem ihnen das Benzin ausgegangen ist, in einer verlassenen Motelanlage. Erst sind es unheimliche Geräusche und seltsame Erscheinungen, schließlich Gewissheit, dass eine fremde Macht ihren Tod will. Die heruntergekommene Absteige in der Wüste weckt Erinnerungen an „Identität“, das letztlich personifizierte Grauen zieht Parallelen zu „Jeepers Creepers“. Dabei krankt der Reeker, abgesehen vom schal computergenerierten Äußeren, an der gleichen spannungsvernichtenden Sichtbarmachung wie der Kollege Creeper. Den größten Effekt hat noch immer die im Kopf des Betrachters Gestalt formierende Bedrohung, nicht die Bohrmaschine schwingende Polygongestalt in der flimmernd visualisierten Wolke des Todes.

Der blutig makabre Auftakt weckt Erwartungen, die das durchwachsene Skript in der Folge nicht zu halten im Stande ist. Die Einleitung der Figuren holpert über Klischees und Flachheiten dahin, kaum in der Lage das Interesse an den kommenden Ereignissen anzufachen. Das ändert sich erst, als die Gruppe in der Einöde festsitzt. Dort schaut auch B-Veteran Michael Ironside („Starship Troopers“) vorbei und gibt sich als Wohnmobilkapitän auf der Suche nach der Gemahlin mysteriös. Die gerade im Mittelteil wohl dosierten Schockmomente und blutigen Spitzen verfehlen ihre Wirkung nicht, selbst wenn der CGI-unterstützte Blutgehalt arg künstlich erscheint. Autor und Regisseur Dave Payne („Alien Terminator“) kann die Atmosphäre allerdings nicht bis zum Finale aufrecht erhalten. Das liegt insbesondere daran, dass der gesamte Vorlauf einzig dem Verständnis der Auflösung dienlich ist. Überraschen wird „Reeker“ wohl nur Frischlinge im Horror-Genre.

Wertung: (4 / 10)

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