Raze – Fight or Die! (USA 2013)

raze„To be a woman you have to be devious in this world.“ – Verschlagen: Elizabeth

Manche Filmwerke sind pure Provokation. Oder kratzen als kontroverser Grenzgang zumindest an der Oberfläche einer Gesellschaft, in der Tabubrüche längst Gegenstand der Alltagskultur geworden sind. Ein solches Beispiel ist „Raze“, in dem mehr als 50 Frauen verschleppt und zur Belustigung eines weitgehend gesichtslosen Zirkels gezwungen werden, sich in einem unterirdischen Kerker gegenseitig zu Tode zu prügeln. Ein Film also, der das weibliche Geschlecht auf sklavisch geschundenes Fleisch reduziert und einzig die pervertierten Gelüste eines nach patriarchaler Oberhand strebenden männlichen Publikums adressiert? Bedingt.

Denn trotz des nicht von der Hand zu weisenden Exploitation-Charakters ist Josh C. Wallers („McCanick“) enthemmter Gewalt-Schocker nicht mit all den sleazig-erotisierten Frauenknaststreifen der Siebziger in Einklang zu bringen. Kunst, geschweige denn Anspruch atmet das schwer verdauliche Action-Drama dennoch nicht. Es ist ein ruppges B-Movie, das visuell unauffällig allein auf die menschenverachtende Prämisse zielt. Dabei geht es Waller allerdings nicht (allein) darum, die eingeschüchterten und drangsalierten Frauen, deren Familien getötet werden, wenn sie nicht beim brutalen Turnier mitmischen, in stilisierten Rangeleien auszumerzen.

Der Look bleibt roh und direkt, die mit blanken Fäusten und Füßen geführten Konfrontationen kommen ohne Zeitlupen oder anderen visuellen Firlefanz aus. Gewinnen kann am Ende nur eine. Beim Einstieg ist bereits die Hälfte der Frauen tot. Kurze Rückblenden schweifen auf Entführungsszenarien. Neben ihnen bleibt der Kerker jedoch einziger Handlungsort. Hoffnung gibt es keine. Trotzdem solidarisiert sich ein harter Kern der unfreiwilligen Kämpferinnen, aus deren Reihe Sabrina (Zoe Bell, „Death Proof“) die größten Siegeschancen ausgerechnet werden dürfen. Sie ist auch Favoritin von Elizabeth (Sherilyn Fenn, „Boxing Helena“), die mit Partner Joseph (gibt in den „Hellboy“-Filmen unerkannt den Abe Sapien: Doug Jones) als Organisator des verwerflichen Spektakels fungiert.

Mit Phoebe (Rebecca Marshall, „Saw 3D“) gibt es auch eine Opponentin, die sichtlich Spaß am Töten hat. Psychologisch ausgereift ist diese Gegenüberstellung kaum. Sie ist Teil eines Konzeptes, das zwischen Provokation und Voyeurismus auf Beklemmung abzielt. Die Wirkung ist zweifelsfrei gegeben, nur wirkt das Plotkonstrukt gerade im Hinblick auf den klar vorbereiteten finalen Vergeltungsansatz etwas ziellos. Als trostloser Blick in die Abgründe menschlicher Barbarei funktioniert „Raze“ brauchbar. In seiner Hervorhebung der zehrenden Sicko-Action bleibt der ultrabrutale Streifen aber nicht nur diffus, sondern bettelt hierzulande auch mindestens um eine Indizierung.

Wertung: (5 / 10)

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