00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse (D 2013)

00-schneider-im-wendekreis-der-eidechse„Diese verdammten Verbrecher. Aber ohne sie wäre ich sicherlich arbeitslos.“ – Von messerscharfem Verstand: Roy Schneider

Knallharter Polizeialltag mit Helge Schneider. Natürlich in der Ruhrpott-Metropole Mülheim/Ruhr. Dort ist bekanntermaßen das Verbrechen zu Hause, was selbstredend den Einsatz eines so draufgängerischen wie tollkühnen Polizisten erfordert. Der ist als 00 Schneider bekannt und wird in „Im Wendekreis der Eidechse“ mit seinem schwersten Fall betraut. Naja, zumindest dem schwersten seit seinem ersten Leinwandeinsatz „Jagd auf Nihil Baxter“ (1994). Und wenn der ob seines anhaltenden Hissens Eidechse genannte Schurke auch noch den bürgerlichen Namen Jean-Claude Pillemann trägt, ist anhaltendem Nonsens ohnehin Tür und Tor geöffnet.

Wie das bei Schneider, der neben der Hauptrolle auch Regie, Drehbuch und Musik verantwortet, aussieht, ist hinreichend bekannt. In den Neunzigern wurde die Singende Herrentorte mit „Katzeklo“ kurzzeitig in den Mainstream berufen. Aber in dies kommerziell standardisierte Korsett ließ sich der vielseitig talentierte Künstler nie zwängen. Dafür stehen auch seine Filme, die eher gespielten Antiwitzen gleichkommen und einen Humor predigen, der mit Massengeschmack rein gar nichts zu tun hat. Entsprechend ist auch „Im Wendekreis der Eidechse“ die konsequente Verweigerung vor allem, was klassisches Unterhaltungskino ausmacht.

Jener Jean-Claude Pillemann, verkörpert von Rocko Schamoni („Fraktus“), macht Mülheim unsicher. Auf die Kappe des Meisterverbrechers gehen solch schändliche Straftaten wie der Überfall auf einen Zeitungsladen oder die Entwendung eines Huhns. Einhalt gebieten soll diesem kriminellen Mastermind der unverwüstliche Roy Schneider (Schneider). Mit kriminalistischem Gespür hat die folgende Ermittlung erwartungsgemäß wenig zu tun. Mehr schon mit einer Aneinanderreihung selten zusammenhängender Szenen – akuter Improvisationshang inklusive. Das führt schon mal dazu, dass Helge Schneider über Minuten durch ein Parkhaus tanzt. Konsequent ist das sicher, unterhaltsam eher weniger.

Zu lachen gibt es trotzdem einiges. Wenn man sich denn auf das exzentrische Humorverständnis Schneiders einlassen will. Der Ruhrpott wird durch Polizeiuniformen  aus England und den USA zur Weltoffenheit gedrängt und das Spiel mit urbaner Enge und zerklüfteter Weite der Küste (!) ist von schelmischer Absurdität. Gewohntermaßen werden die Frauenrollen von Männern gespielt. Unterstrichen wird damit einmal mehr, dass es Schneider bei seinen Filmen nicht zwingend um situative Komik geht, sondern einen ganzheitlich absurden Ansatz, der sich nicht durch einzelne Pointen definiert. Gewöhnungsbedürftig ist das noch immer, doch kommen Freunde des verschrobenen Allrounders hier gegen jeden Strich gebürstet fraglos auf ihre Kosten.

Wertung: (6 / 10)

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