Rawside – Widerstand (2010, Aggressive Punk Produktionen)

Einen gewissen Legendenstatus darf man dem Coburger Hardcore-Punk-Konglomerat RAWSIDE nach bald 20 Jahren durchaus zugestehen. Wobei selbst Legenden kommen und gehen. Von der Urbesetzung aus dem Jahre 1993 ist nämlich nur noch Sänger Henne mit an Bord, der in altbekannter Manier das raue, unbändige Organ von RAWSIDE verkörpert. Diesbezüglich hat sich nicht viel beim noch immer aktiven Flaggschiff des Oldschool-geprägten Hardcore-Punks aus deutschen Landen getan. Etwas metallischer wirkt die Instrumentalfraktion auf „Widerstand” vielleicht, was der Sache aber durchaus seine Reize verleiht. Geblieben sind auf jeden Fall Songs in deutscher und englischer Sprache, wobei der englische Gesang weiterhin alles andere als akzentfrei klingt.

In bewährter Manier wettern RAWSIDE auf insgesamt 12 Titeln – exklusive dem gewöhnungsbedürftigem Bob Marley Cover „I Shot the Sheriff“ – gegen die üblichen Feindbilder. Ihre Abneigung gegen den deutschen Staat („Widerstand“) lassen sie genauso von der Leine wie ihren Unmut über kriegerische Glorifizierung („Warsymbols“). RAWSIDE wie man sie kennt, inhaltlich wie musikalisch. Fans werden sich über die weitgehende Verweigerung von Veränderungen und Weiterentwicklung sicherlich ein Loch in den Bauch freuen. Spätestens dann aber, wenn RAWSIDE mal wieder die VORKRIEGSJUGEND hervorholen („Killer“). Im Zuge  all der Reunions und Auferstehungen alter Deutsch-Punk-Helden wirkt „Widerstand“ deutlich ehrlicher und authentischer. Denn trotz der Besetzungswechsel und vieler Jahre auf dem Buckel haben RAWSIDE nichts von ihrer Energie und Anti-Haltung eingebüsst. Wer das mag, kommt wie gewohnt auf seine Kosten.

Wertung: (6 / 10)

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