Jimmy Eat World – Invented (2010, Interscope)

jimmy-eat-world-inventedDie lange Zeit des Wartens ist vorüber. Aber hat man wirklich so sehr auf ein neues Album von JIMMY EAT WORLD gewartet? Das letzte richtig überzeugende Werk liegt schließlich schon ein paar Jahre zurück und mit dem letzten Album „Chase This Light“ konnten Jim Adkins & Co. wohl auch nur die wenigsten begeistern. Dieses Album konnte in den letzten drei Jahren Staub ansetzen, in denen nicht viel bis gar nichts passierte. Das nicht alles rund lief, sah die Band wohl auch so, nicht umsonst schloss man sich abermals nach den Meisterwerken „Clarity“ und „Bleed American“ mit Produzent Mark Trombino im Studio ein. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wenn nicht jetzt, wann dann? Phrasen über Phrasen. Aber selbst diese Kollaboration hat im Laufe der Jahre künstlerischen Staub angesetzt. „Invented“ ist das Ergebnis.

Einen Kracher wie „Bleed American“ oder „Pain“ hätte es gleich allen Nörglern gezeigt. Wir sind wieder da, wir können es noch. Stattdessen also „Heart Is Hard to Find“. Ruhig beginnt der Song, verspielt, mit viel Brimborium. Brimborium heißt im Falle von „Invented“ Glocken, Streicher, Effekte. Diese ziehen sich von vorn bis hinten durch das Album. Mitunter klingt das deutlich zu überladen. Beim Opener geht das noch, zumindest bis zum nervigen HaHaHa-Gesang von Adkins. Was ihn da nur geritten hat. Die erste Single „My Best Theory“ rückte vorab bereits die Erwartungshaltung zurecht. In negativer Hinsicht. Wirklich gut ist der Song noch immer nicht, weil einfach viel zu beliebig. Wenigstens aber einer der rockigeren des Albums. Das Gros besteht aus ruhigen, langsameren Songs, die aufs größtmögliche ausgeschmückt werden. Die viel zu glatte Produktion tut ihr übriges dazu. Fraglich, wie Jim Adkins dazu auf den anstehenden Konzerten in obligatorischer Manier sein Hemd durchnässen will.

Die weiteren Songs plätschern erst einmal vor sich hin, manches wächst zumindest mit der Zeit. „Evidence“ mit seinen rockigen Gitarren zum Beispiel, oder „Coffee & Cigarettes“, welches eine schöne Melodie und Refrain vorweisen kann. Auch das ruhige, fast traurige und vor allem musikalisch reduzierte „Cut“ gefällt. Aber insgesamt ist ihnen nicht wirklich etwas richtig gutes, tolles eingefallen. Bis auf all die Spielereien, die die Songs zum Teil viel zu kitschig erscheinen lassen. Und dann „Action Needs An Audience“. Tom Linton am Mikro. Aber kein neues „Blister“. Stattdessen eine beinah fremd wirkende Stimme, geschluckt von der viel zu klaren Produktion. Und schon wieder dieses Gefühl, dass sie es eigentlich viel besser können. Die alten JIMMY EAT WORLD, die man seinerzeit bedingungslos in sein Herz schloss, sind eben nicht mehr. Schade, vor allem weil „Invented“ wirklich so etwas wie ein Neuanfang hätte sein können.

Wertung: (5,5 / 10)

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