Pups – Kein Kinderspiel (USA 1999)

pupsDas Jahr 1999 stand kinotechnisch ganz im Schatten der Rückkehr der Jedi-Ritter. George Lucas ließ Liam Neeson mit sicher sitzender Perücke durch die tunesische Wüste stampfen und ihn dabei von nervtötendsten Charakter der jüngeren Filmgeschichte begleiten – Jar Jar Binks. Um so faszinierender, dass sich am 5. Januar dieses Jahres ein Film aus demselben Jahr auf den deutschen Markt geschlichen hat, dessen Hauptdarsteller einem die Facon noch mehr zu rauben vermag als George Lucas’ schlimmste Kreation. In diesem auf Zelluloid gebannten Verbrechen gegen die Menschlichkeit des Independent-Filmemachers Ash schreit sich ein 14-jähriger Cameron Van Hoy schlicht und ergreifend so lange die Seele aus dem Leib, bis dem gewogenen Zuschauer spätestens nach der ersten halben Stunde sämtliche Lust vergeht, der Handlung noch zu Folgen. Dieses Ode an die verdorbene Jugend und den moralischen Verfall unserer westlichen Gesellschaft nennt sich „Pups“.

Ein 13-jähriger, von seiner Mutter vernachlässigter Asthmatiker (jener Van Hoy) findet eine Knarre im erziehungsberechtigten Kleiderschrank, nimmt sie mit zur Schule und überfällt mit seiner gleichaltrigen Freundin (Mischa Barton, „The Sixth Sense”) eine Bank. Die beiden genießen die Aufmerksamkeit und Macht, die sie inne haben und fordern ein Kamerateam von MTV. Soweit die Story. Das Problem von „Pups“ ist nicht allein das affektierte und überzogene Spiel der Darsteller, insbesondere das von Cameron Van Hoy, der außer einer unbedeutenden Rolle im gleichen Jahr seine Filmkarriere für beendet ansehen kann. Auch nicht die überzogene, völlig unausgereifte Symbolik, die bei einem penetrant großen Smiley auf dem T-Shirt des jugendlichen Bankräubers beginnt und bei einer Szene von noch unschuldigen Kindern mit Welpen am Straßenrand ende,t machen das Opus Magnum von Ash zwar zu einem selten dämlichen, aber noch nicht unerträglichen Film.

Es ist das perfekte Zusammenspiel der oben genannten Aspekte und das Ausnutzen jeglicher Klischees, das das Genre des psychologischen Geiseldramas zu bieten hat, das diese Möchtegernmischung aus „Natural Born Killers“ und „Kids“ zur cineastischen Zumutung verkommen lässt. Hatte Oliver Stones Mediensatire noch die Fähigkeit, den skandalträchtigen Blick der Medien auf Straftäter ordentlich zu karikieren, so begnügt sich „Pups“ auf gelegentliche Schnitte auf Luftaufnahmen aus einem Nachrichtenhubschrauber. Das MTV-Interview ist der Gipfel der Klischeemäßigkeit. Fragen nach jugendlichem Sexualverhalten und der Orientierungslosigkeit der heranwachsenden Generation sind so standardisiert wie es schlechten Drehbuchautoren möglich ist. Und nicht mal Alteisen Burt Reynolds („Ein ausgekochtes Schlitzohr”) mit dem vielversprechenden Namen Bender vermag es in seiner Rolle als FBI-Operationsleiter, ein bisschen Farbe in dieses triste Machwerk zu bringen.

Wenn man sich trotzdem überwindet, den Film anzuschauen, sollte jeder des Englischen Mächtige tunlichst auf die synchronisierte Fassung verzichten. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, ist diese nämlich unter aller Sau. Ein 13-jähriger, der wie 3 Jahre Post-Stimmbruch klingt ist nicht unbedingt das, was man unter sauberer Umsetzung versteht. Vielleicht sollte man lieber gleich zu „Mad City“ mit Dustin Hoffman und John Travolta greifen. Dieser Streifen behandelt das gleiche Thema, überraschenderweise sind sogar viele Handlungsstrecken sehr nahe beieinander (sicher Zufall), aber er trifft die Thematik und macht sich bei der Umsetzung nicht lächerlich. Außerdem spart man so 90 Minuten seines Lebens, die man sonst nie wieder zurückbekommt.

Wertung: (3 / 10)

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