Pollock (USA 2000)

pollockEs gibt Filme, die trotz überschwenglichen Kritikerlobes im Herstellungsland nur äußerst schwer einen Verleih im Lande der Denker und Dichter finden. Aktuelles Beispiel bildet „Pollock”, das bereits 2000 in Szene gesetzte Regiedebüt des renommierten amerikanischen Akteurs Ed Harris („Apollo 13″, „Die Truman Show”). Und nach einem recht kurz ausgefallenen Gastspiel in vereinzelten bundesdeutschen Lichtspielhäusern erscheint die ambitionierte Künstlerbiographie nun auf Video und DVD. In einer beinahe 10 Jahre umfassenden Intensivstudie bereitete sich Ed Harris auf seinen Regieerstling, bei welchem er höchstselbst auch die Hauptrolle übernahm, vor. Das sehenswerte Resultat rekonstruiert, nach der 1991 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichneten literarischen Vorlage „Jackson Pollock – An American Saga” von Steven Naifeh und Gregory White Smith, die letzten 15 Jahre im Leben des abstrackten amerikanischen Malers.

Anfang der 40er Jahre lebt der von Selbstzweifeln geplagte Alkoholiker in puritanischen Verhältnissen. Als er die Malerin Lee Krasner (Marcia Gay Harden) kennen und lieben lernt, scheint es, als könne ihr positiver Einfluss einen Wandel in Pollocks Leben hervorrufen. Der Expressionist feiert mit Unterstützung der bekannten Ausstellerin Peggy Guggenheim (Amy Madigan) erste Achtungserfolge, der große Durchbruch bleibt Pollock jedoch vorerst verwehrt. Dies ändert sich erst gegen Ende der Dekade mit Eintritt eines rigorosen Stilwechsels. Als dann auch noch das populäre Magazin Life einen ausführlichen Bericht über den Maler veröffentlicht, scheint der Weg aus dem dunklen Tal greifbar nah. Doch selbst eine zweijährige Trinkerabstinenz vermag den künstlerischen und emotionalen Niedergang Pollocks nicht mehr aufzuhalten.

Mit „Pollock” ist Darsteller und Regie-Novize Ed Harris eine überaus stimmige Künstlerbiographie gelungen, die von Beginn an auf eine nüchterne Betrachtung der zahlreichen Schwächen seiner realen Titelfigur setzt und diese nicht zu Selbstzwecken ausschlachtet. Auf dieser differenzierten Basis kreiert Harris ein respektvolles Bild des 1956 verstorbenen Malers und bettet dieses in eine Pollocks Kunst und der Kunst der damaligen Zeit angemessene Atmosphäre. Feinfühlig in Szene gesetzt, bietet der dialoglastige Film in erster Linie Nährboden für schauspielerische Glanzleistungen. Und Freunde gespielter Perfektion werden bestens bedient, bieten die Hauptakteure doch schlicht überragende Vorstellungen. So brilliert Ed Harris,der sich für die aufgedunsenen Schlusssequenzen satte 30 Pfund Übergewicht anfraß und für seine Mühe mit einer Oscar-Nominierung bedacht wurde, als begnadeter Künstler zwischen Genie und Kotzbrocken im steten Kampf um Anerkennung und Würdigung.

Mit Marcia Gay Harden („Miller’s Crossing”, „Space Cowboys”) steht Harris dabei eine Filmpartnerin zur Seite, die ihm passagenweise glatt den Rang abläuft und die völlig zu Recht im Jahre 2001 mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde. Des weiteren gibt es ein Wiedersehen mit Ed Harris langjähriger Ehefrau Amy Madigan („Straßen in Flammen”, „Feld der Träume”), Jennifer Conelly („Requiem for a Dream”, „A Beautiful Mind”) und Val Kilmer („The Doors”, „Der Geist und die Dunkelheit”). Alles in allem bietet „Pollock” beste Unterhaltung auf anspruchsvoller Ebene, hervorragend gespielt und frei von Klischees. Schade nur, dass Ed Harris’ Regiedebüt international wenig Anerkennung fand und auch auf amerikanischem Sektor einen kommerziellen Fehlschlag darstellte.

Wertung: (8 / 10)

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