Bulletproof Gangster (USA 2011)

bulletproof-gangster„When it comes to pushing, I’m the wrong guy you want pushing back.“ – Ein ewiger Kämpfer: Danny Greene

Er galt als der ´Robin Hood von Collinwood´, erlangte neben sozialem Engagement aber vor allem durch den Mafiakrieg in Cleveland unrühmliche Popularität. Danny Greene, Sohn irischer Einwanderer, wuchs als Waise bei den Großeltern auf. Schon in der Kindheit hatte er sich mit Fäusten zu behaupten und wich vor keiner Konfrontation zurück. Im Erwachsenenleben, die Neunzehnsechziger waren gerade angebrochen, stieg er vom Hafenarbeiter zum Gewerkschaftsführer auf und paktierte bald mit dem organisierten Verbrechen. Konfrontationen mit dem Gesetz ließen da nicht lange auf sich warten.

In Jonathan Hensleighs („The Punisher“) Verbrecherbiographie „Bulletproof Gangster“, basierend auf Rick Porellos Buch „To Kill the Irishman“, bleibt der Rechtsstaat nur eine Randerscheinung. Vertreten wird er durch Detective Joe Manditski (Val Kilmer, „Wonderland“), der mit Greene aufwuchs und über sporadische Off-Kommentare durch die Jahrzehnte führt. Ausgangspunkt bildet ein Anschlag auf Dannys Leben im Jahr 1975. Doch die Autobombe überlebt der rustikale Ire ebenso wie diverse weitere Attentate. Der Ruf des unverwüstlichen Schlägers eilt ihm voraus – und reift nicht allein in Cleveland zur Legende.

Die Faszination des Brutalos erhält durch die beeindruckende Darbietung Ray Stevensons („Punisher: War Zone“) Ausdruck. In detailreich in Zeitkolorit getauchte Kulissen verleiht er Greene eine Ambivalenz, die durch Archivaufnahmen auch seinem Bild in der regionalen Bevölkerung gerecht wird. Neben Stevenson agiert eine ganze Reihe renommierter Darsteller, darunter Vincent D’Onofrio („Full Metal Jacket“), Christopher Walken („King of New York“) und Paul Sorvino („GoodFellas“). Doch kann auch die sehenswerte Besetzung nicht verhindern, dass die flüchtig abgehandelte Gangsterkarriere bis zum nüchtern gefassten Finale nie vollends überzeugen kann.

Die konventionelle Erzählweise mit ihren beiläufigen Schilderungen von Greenes familiärer Zerrüttung begnügt sich mit Ausschnitten, die redlich versuchen, die komplexen Verstrickungen in gebotener Tiefe zu erfassen. Der belesene Schulabbrecher verscherzt es sich mit Geldhai Birns (Walken), gerät auf die Abschussliste der Mafia und zettelt mit dem Gefährten Nardi (D’Onofrio) einen blutigen Krieg in der Unterwelt an. Trotz Idealbesetzung Stevenson und vereinzelt packenden Sequenzen wird aus der Verkettung von Gewalt geprägter Lebensabschnitte kein einheitliches Ganzes. „Bulletproof Gangster“ ist zweifelsfrei ein ansehnliches Drama, nur eben keines, das zu den Klassikern des Genres, allen voran denen eines Scorsese oder DePalma, aufschließen könnte.

Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Dolls (USA 1987)

    Plötzlich regierten die Killerpuppen. „Dolls“ folgte „Chucky“ folgte „Puppet Master“. Kinderspielzeuge wurden zu Mordmaschinen, was sich nur beim Erstgenannten nicht zur Serie ausweitete. Rückblickend betrachtet ist das wohl auch besser so, denn immerhin wird ein reizvoller und für sich genommen funktionierender Film auf diese Weise nicht durch überflüssige und zunehmend niveauarme Fortsetzungen aufgerieben. Vorrangig aber…

  • Ringu / The Ring (J 1998 / USA 2002)

    The Ring – Zwischen Original und Neuverfilmung Für die Traumfabrik Hollywood ist es eine Selbstverständlichkeit, erfolgversprechende Stoffe aus dem Ausland (oder der eigenen Filmhistorie) neu aufzulegen und zeitgemäß zu interpretieren. Neuauflagen asiatischer Kinojuwele blieben bislang größtenteils aus, doch sollen Akira Kurosawas „Die sieben Samurai“ und „Yojimbo“ – aufbereitet in „Die glorreichen Sieben“ und „Last Man…

  • Bibi Blocksberg (D 2002)

    Es gibt wohl niemanden, der sie nicht kennt, die Abenteuer von Bibi Blocksberg. Seit mehr als 20 Jahren begeistert die kleine Hexe Jung und Alt gleichermaßen. Über 30 Millionen verkaufte Audiokassetten sprechen dabei eine mehr als deutliche Sprache. Nun hat Bibi den Sprung aus den hiesigen Kinderzimmern auf die Kinoleinwand vollzogen, mit einem Budget von…

  • Heartless (GB 2009)

    In London ist der Teufel los. Um die Herrschaft des Chaos voranzutreiben, schickt er seine Dämonen in die Nacht, furchterregende Monster mit spitzen Zahnreihen, die Unschuldige mit Brandsätzen auf offener Straße ermorden. Oder handelt es sich bei den brutalen Tätern um eine maskierte Straßengang im Auftrag eines Gangsters mit grotesker Stichwaffe als Handprothese? Für Jamie…

  • Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte (USA 2009)

    Unumstritten ist Oscar-Gewinner Michael Moore („Bowling for Columbine“) längst nicht mehr. In der jüngeren Vergangenheit geriet der fettleibige Doku-Filmer ob seiner Methoden immer wieder in die Kritik. Für Polemisierung und Emotionalisierung greift Moore immer wieder auf fingierte Tatsachenbehauptungen zurück und inszeniert Schlüsselszenen nach Hollywood-Manier so publikumswirksam wie irgend möglich. Zweifel sind also angebracht, schließlich ist…

  • Bestie Krieg (USA/ISR 1988)

    „I tried to be a good soldier. But you can’t be a good soldier in a rotten war.“ – Koverchenko US-amerikanische Filme, die aus russischer Perspektive erzählt werden, sind selten. Einer davon ist „Bestie Krieg“, den „Waterworld“-Regisseur Kevin Reynolds mit namhafter Schauspielgarnitur aus der zweiten Reihe inszenierte. Dabei ist aber nicht der bewaffnete Konflikt an…