Phantasm V: Ravager (USA 2016)

„Everything is different now. Nothing is the same.” – Mike

Ein Mann schreitet durch die Wüste. Die Kleider zerschunden, eine Flinte mit drei Läufen in der Hand, erhält er vor dem flimmernden Panorama der brennend heißen Einöde allmählich Kontur. Je näher er kommt, desto deutlicher wird, dass es sich um einen alten Bekannten handelt: Es ist Reggie (Reggie Bannister), ehemaliger Eisverkäufer und letzte Bastion im Kampf gegen den mysteriösen Tall Man (Angus Scrimm). Der verwandelt die irdischen Toten in kleinwüchsige Sklaven, teleportiert sie auf einen fernen Planeten und hinterlässt in der amerikanischen Provinz eine Schneise der Zerstörung.

Das ist seit 1979 so. Damals präsentierte Don Coscarelli („Bubba Ho-tep“) seinen B-Kultfilm „Phantasm“ (im Deutschen wurde daraus „Das Böse“). Bis 1998 folgten drei Fortsetzungen sowie die Ankündigung verschiedener Sequels und Reboots. Ein weiteres offizielles Folgewerk galt lange als frommer Wunsch. Bis sich der vorrangig im Trickfilmbereich aktive David Hartman („Transformers Prime“) der Sache annahm und mit dem Segen (und der Produktionsunterstützung) Coscarellis das letzte klassische Kapitel der Saga drehte: „Ravager“. Der titelgebende „Verwüster“ ist selbstredend besagter Tall Man. Die Rolle des ikonischen Überwesens ist das Fundament von Scrimms Karriere. Dessen fünfter Auftritt in Plateauschuhen ist zugleich sein letzter. Am 9. Januar 2016 starb der Schauspieler im Alter von 89 Jahren.

Dass auch dieser Teil ein reiner „Phan“-Film ist, wird schnell offenbar. Wer die Vorgänger nicht kennt, wird der ohnehin konfusen Plotte kaum folgen können – und dürfte überdies vom amateurhaften Look abgeschreckt werden. Gerade der Auftakt, zusammengestückelt aus Material, das ursprünglich für eine Web-Serie vorgesehen war, schmälert die anfängliche Vorfreude. Für ein egalisierendes Gefühl wohliger Vertrautheit sorgt neben der direkten Anknüpfung an „Oblivion“ allerdings das frühe Auftauchen der Sphären, jenen todbringenden fliegenden Metallkugeln. Die sind diesmal am Computer entstanden und lassen das Kunstblut wieder in breiten Strahlen aus traktierten Körpern sprudeln.

Seinen Rhythmus findet der Streifen jedoch erst nach dem eröffnenden Drittel. Plötzlich ist auch der Zauber des eigenwillig Fantasievollen zurück, der sich nie von mangelnden Budgets ausbremsen ließ. Dabei bewegt sich die von Coscarelli und Hartman erdachte Geschichte diesmal auf verschiedenen Realitätsebenen: Reggie als Wanderer in der Wüste, als verwirrter Patient im Altenheim und – im weiteren Verlauf – als frisch aus künstlichem Tiefschlaf erwachter Gefangener des Tall Man. Natürlich lässt auch die Rückkehr von Mike (A. Michael Baldwin) nicht lange auf sich warten. Als Besucher des dementen Reggie scheint er vom Wirken des außerirdischen Leichendiebs jedoch nichts zu wissen.

Anders verhält es sich in der postapokalyptischen Zukunft mit „Terminator“-Touch: Hier ist er Anführer einer Rebellengruppe, die sich in zerstörten Stadtbildern monströsen Zwergen und riesigen Sphären erwehrt. Das Zünglein an der Waage scheint Reggie zu sein, dem der Tall Man das Leben seiner Familie bietet, wenn er seinen Widerstand beendet. Seine stärksten Momente findet „Ravager“ in der Referenz der Vorläufer. Das zeigt sich, neben dem erneuten Auftauchen der „Lady in Lavender“ (Kathy Lester), auch bei der übrigen Randbesetzung, kehrt neben Mikes Bruder Jody (Bill Thornbury) doch auch die in Part drei eingeführte Rocky (Gloria Lynne Henry) zurück.

Dazu gewährt Hartmann Blicke auf den Heimatplaneten des Tall Man und entfesselt einen Showdown, der selbstredend keiner ist. Denn der ewige Kampf Gut gegen (Das) Böse wird erwartungsgemäß nicht entschieden, sondern lediglich auf einer Ebene neu angeordnet, die der Anhängerschaft einen versöhnlichen Abschied von den eigensinnig arrangierten Geschichten und den darin verorteten, liebgewonnenen Figuren beschert. Dahingehend ist „Ravager“ Pflichtprogramm. Nur sollte man teils krude Dialoge, unzulängliche CGI-Effekte und eine bedingt zusammenhängende Erzählung wohlwollend ausblenden können. Aber: Die schräge Horror-Reihe findet nach fast 40 Jahren ein verdientes und immer noch sympathisches Ende. Dass selbiges mal stimmungsvoll, mal unbefriedigend geriet, wirkt daher weitgehend verzeihlich.

Wertung: (6 / 10)

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