Phantasm IV – Oblivion (USA 1998)

phantasm4„Small man, your end approaches, but it is not yet. Take great care how you play. The final game now begins.“ – Kryptisch wie eh und je: Der Tall Man

Nach „Phantasm III“ ließ Don Coscarelli vier Jahre verstreichen, ehe er die angestammte Besetzung zum einer weiteren Fortsetzung bat. „Oblivion“, der vierte und bislang letzte Teil der Saga, gilt gemeinhin als dessen schwächster. Das ist er auch, wenngleich Werkschöpfer Coscarelli einen abermals überdurchschnittlichen Genrevertreter schuf. In diesem geht es hintergründiger zu als in seinen Vorgängern. Weniger im Sinne eines Subtextes, als vielmehr dem sich ausweitenden Bildnis der Apokalypse entsprechend. Das geht zu Lasten des Horroranteils, erzeugt aber noch immer genug Stimmung, um „Phans“ der Serie angenehme Kurzweil zu bereiten.

Der Film krankt, das bleibt ihm deutlich anzumerken, am knappen Budget. Gerade einmal 750.000 Dollar standen Coscarelli für das dritte Sequel zur Verfügung. Preiswerter produziert wurde lediglich das Original von 1979. Aus dessen Fundus tat der Autor und Regisseur einmal mehr nicht verwendete Szenen auf und integrierte diese geschickt in die Geschichte. Darunter findet sich auch ein früher Entwurf für das Ende von „Phantasm“, in dem der Tall Man (Angus Scrimm) an einem Baum aufgeknüpft wird und den jungen Mike später in seinen Träumen heimsucht. Ein ähnliches Schicksal erleidet der erwachsene Mike, wieder gespielt vom diesmal auch produzierenden A. Michael Baldwin, nun selbst.

Nachdem er am Ende von Part drei erfahren musste, dass ihm der Tall Man eine Sphäre in den Schädel gepflanzt hatte, floh er in die Nacht und ward nicht mehr gesehen. Freund Reggie (Reggie Bannister) wurde in einem neuerlichen Cliffhanger-Finale von einem ganzen Geschwader der todbringenden fliegenden Stahlkugeln an die Wand gepresst. Dort findet ihn zu Beginn von „Oblivion“ der Tall Man – der kleine Tim, der in Erinnerung ans Original in einen Spiegel gezerrt wurde, wird indes einfach vergessen – und lässt ihn, Schicksal und Coscarelli wollten es so, überraschenderweise laufen. Mit der Eigenbau-Doppelflinte im Gepäck folgt Reggie dem Gefährten in die Wüste, wo er auf Schergen des Tall Man und die hübsche Jennifer (Heidi Marnhout, „Bubba Ho-Tep“) trifft. Das Pech des Ex-Eisverkäufers bei den Frauen sorgt dabei auch diesmal wieder für ein makabres Aha-Erlebnis.

Im Mittelpunkt allerdings steht Mikes Sinnsuche, auf der er, zwischenzeitlich wiederum heimgesucht vom toten Bruder Jody (Bill Thornbury), durch Zeit und Raum reist und in der Vergangenheit auf den visionären Arzt und Wissenschaftler Jebediah Morningside (auch Scrimm) trifft, der jenes Portal erschafft, durch das der Tall Man in seiner Gestalt auf die Erde kam und die Verstorbenen zu kleinwüchsigen Arbeitssklaven machte. Bis zum selbstredend offenen Finale bleibt das Tempo verhalten. Aus den arg beschränkten Mitteln holt Coscarelli heraus, was möglich ist, sprengt mal wieder einen Leichenwagen in die Luft und knüpft über alptraumhafte Undurchsichtigkeit an die Atmosphäre des Originals an. Für sich betrachtet ist „Oblivion“ kein wirklich guter Film, als Ergänzung der Reihe bleibt dieser trotz offensichtlicher Schwächen würdige Nachfolger dennoch unverzichtbar.

Wertung: (6 / 10)

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