Paranoya – Fragmente (2015, Elfenart Records/S.N. Rex/Broken Silence)

paranpya-fragmente„Das hier ist nicht Disney.“ – ‘Disney’

Der Modernität zu entsagen und sich auf klassische Strukturen zu berufen, ist in der Musik wahrlich keine Seltenheit. Davon können auch PARANOYA ein Lied singen – oder, gemessen an ihrem dritten Langspieler „Fragmente“, besser 11. Denn die Duisburger spielen Deutsch-Punk mit gesellschaftskritischer Note und dezent retrospektivem Hauch. Das erinnert an Combos wie ARTLESS, die den rauen und bisweilen minimalistischen Charakter der wütenden 80er ins neue Jahrtausend gerettet haben. Mit dem Unterschied, dass PARANOYA noch weiter zurückschauen und sogar den Rock der 70’s streifen (siehe „Funktion“ oder das abschließende, etwas holprig gereimte „Hoffnung = Licht?“).

Instrumental bemüht sich das Gespann ungeachtet gesteigerter Schnörkellosigkeit um melodische Vielseitigkeit. Das gelingt, auch weil der Vierer textlich nicht den Weg des geringsten Widerstands beschreitet. Der Auftakt gerät ihnen mit „Ahnen“, „Narren“ und „Disney“ überzeugend. Dennoch macht sich früh eine unterschwellige Sperrigkeit bemerkbar. Diese, auch getragen vom oft gesprochen wirkenden Gesang, sorgt dafür, dass Ecken und Kanten einer beständigen Eingängigkeit entgegenwirken. „Fragmente“ bleibt dezent entrückt, hält mit „Bitter“ oder dem Titelstück abseits der genannten aber weitere ansprechende Beiträge parat. Allzu leicht machen es PARANOYA ihren Hörern nicht. Wer es auch im Deutsch-Punk eine Spur experimenteller mag, sollte den Westfalen aber ruhig mal ein Ohr leihen.

Wertung: (6,5 / 10)

scroll to top