Out of Reach (USA/PL 2004)

out-of-reachEin zauseliger Mann rettet ein kleines Vögelchen und befreit es mitten im Wald aus einer Falle. Aufmunternde Worte für den verletzten Piepmatz („Alles wird gut“) gibt es gratis dazu. Wenige Schnitte später schreibt dieser herzensgute Mensch einen Brief an ein junges Mädchen, auch hier nur warme, wohlwollende Worte. Sprechen wir von ein und demselben Steven Seagal? Jawohl, tun wir. Nachdem Regisseur Po-Chih Leong mit „Die Weisheit der Krokodile“ sogar wenigstens einen guten Film in seinem Lebenslauf stehen hat, tritt Aikido-Schnarcher Seagal seinen einst in Zement gegossenen Ruf des 100%-Schlagetots weiterhin so derbst mit Füßen, dass diese ähnlich zerschunden aussehen müssen, wie das von Furchen durchzogene Gesicht des ehemaligen Actionhelden.

Jeder altgediente Recke dieses Genres versucht auf den letzten Metern seiner künstlerischen Laufbahn noch etwas für den Ruhestand zu hamstern. Manchmal kommt dabei sogar noch etwas brauchbares heraus, siehe Van Dammes „Wake of Death“. Bei Seagal sieht die Sache anders aus, denn hier bestimmt lediglich Masse das Angebot, von Klasse kann keine Rede sein. Vor allem, nachdem er den kostengünstigen Osteuropäischen Markt aufgetan hat, der ihn bereits mit „The Foreigner“ in düsterste Klopperregionen führte, ist der Karrierefall wohl nicht mehr aufzuhalten. Nachdem sein kürzlich erst erschienener „Submerged“ beinahe noch lustig war, ist diese nun schnell heruntergekurbelte amerikanisch-polnische Co-Produktion der Kringel auf dem Scheißhaufen, den man einst Steven Seagal nannte.

Dass dieser in der Zwischenzeit für jeden Film ein neues Körper- und Kampfdouble benötigt, sollte klar sein. Ebenso, dass er irgendwann mit dem Kopf mal zu fest gegen den Türrahmen bollerte, Indiz dafür war u.a. sein plötzliches Modebewusstsein und Ethno-Gehabe, welches ihn seit bestimmt einer Dekade begleitet. Nachdem er in unzähligen Filmen so ziemlich jeden Bösewicht des Planeten mindestens zweimal tötete, muss nun ein polnischer Mädchenhändlerring dran glauben, der dem ehemaligen Geheimdienstler William Lancing (Seagal) die kleine Brieffreundin stibitzt und diese meistbietend verhökern will. Damit zieht man sich zwangsläufig den Unmut des tumben Miesepeters zu, der sich sofort nach Osteuropa aufmacht, um dort mal ein paar Handkanten zu verteilen. Dies endet in gewohnt arg behäbig wirkenden Action-Einlagen, die zum einen äußerst spärlich gesät sind und im Grunde nur noch einen alternden Ex-Action-Star zeigen, der schon länger nicht mehr so kann oder auch will wie früher. Die gleichen Schläge und Tritte wie vor fünfzehn Jahren, nur eben langsamer, gedoubelt und immer schlechter in Szene gesetzt.

Die Regie ist so holprig wie die Geschichte dümmlich, die Plotlöcher könnten größer nicht sein. Doch nach spätestens fünfzehn Minuten hat der Körper eh abgeschaltet. Es lebe die Vorspultaste, die wenigstens noch einen kurzen Höhepunkt erhaschen möchte. Allein, sie findet einfach keinen. Wenn Seagal einen tauben Jungen böse anschaut, weil dieser kurz zur Schnapsflasche greift oder er kurzerhand eine angeschossene Polizistin mit einem Gemüsemesser auf dem Küchentisch operiert, das debile Grinsen unseres ehemaligen Lieblingsmeuchlers bleibt stets bestehen. Vielleicht weiß er auch, was er in diesen 83 Filmminuten wieder einmal alles kaputt gemacht hat. Auch den x-ten Aufguß einer Seagal’schen Ein-Mann-Vendetta kann man sich sparen, vielleicht aber noch nie so sehr, wie in diesem Fall.

Wertung: (2 / 10)

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