Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr (USA 2013)

olympushasfallen„You’re gonna die down there. Alone. Cut off from the rest of the world. My advice – save the last bullet for yourself. Because if you don’t, I’m gonna stick my knife through your brain.“ – Auch in Extremsituationen nicht um markige Worte verlegen: Mike Banning

In den Neunzehnachtzigern durften Actionfilme noch patriotisch sein. Es war die präsidiale Ära Ronald Reagans und der stets zu eskalieren drohende Kalte Krieg spornte Filmemacher zur ideologischen Mobilmachung an der Heimatfront an. Dabei sind Werke wie „Rambo II“, „Der stählerne Adler“, „Missing in Action“ oder „Red Dawn“ natürlich nicht mit Propagandakino gleichzusetzen, wie es in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus entstand. Dennoch bleiben simplifizierte Feindbilder und martialische Posen im Dienste des Vaterlandes prägender – und so kontroverser wie betonköpfiger – Teil jenes (filmischen) Jahrzehnts. Heute indes sieht der Sachverhalt anders aus. Zumindest auf den ersten Blick.

Der Feind ist diffuser geworden und trägt im Krieg gegen den Terror kein einheitliches Gesicht. Der Russe taugt als Kinoschurke trotz (wieder einmal) angespannter politischer Lage zwischen Ost und West nur noch selten, so dass, wie im saublöden „Red Dawn“-Remake geschehen, schon Nordkorea als potenzieller Prügelknabe herhalten muss. Diesem mittlerweile etablierten, weil doch wenig wehrhaften Schurkenstaat entspringt auch der terroristische Drahtzieher im Krawall-Thriller „Olympus Has Fallen“, mit dem „Training Day“-Regisseur Antoine Fuqua bisweilen finstere Erinnerungen an einleitend erwähntes Kino-Säbelrasseln der Vergangenheit weckt.

Dabei ist die Herangehensweise plakativ und einfältig, weil Fuqua ironische Distanz vermissen lässt und den Plot in lachhafte Ernsthaftigkeit taucht. So trifft der Zynismus von „Red Dawn“ auf „Stirb langsam“, wenn das Weiße Haus in Washington vom nordkoreanischen Terroristen Kang (Rick Yune, „The Man With the Iron Fists“) und seiner wilden Horde (als US-Überläufer dabei: Dylan McDermott, „American Horror Story“) überrannt wird. Präsident Asher (Aaron Eckhart, „The Dark Knight“) fällt in die Hände der Geiseln, der gesamte Wachschutz verreckt im Kugelhagel. Aber wie immer bleibt ein unerschrockener Einzelkämpfer übrig. Der hört auf den Namen Mike Banning (Gerard Butler, „Gamer“) und war früher selbst Teil der Leibgarde des Präsidenten.

Bis er bei einem Autounfall das Leben des Staatsoberhauptes rettete, den Tod von dessen Gattin (viel zu tun gab’s nicht: Ashley Judd, „Doppelmord“) jedoch nicht verhindern konnte. Das wird gleich zu Beginn als großes Drama mit nachhallender Seelenpein verkauft. Einige Monde später ist Banning an den Schreibtisch versetzt worden, reagiert bei der Attacke auf Ashers Amtssitz jedoch am schnellsten. Im Actionfach bedeutet das gewohntermaßen reges Scheibenschießen für den tapferen Helden, während die namenlosen Randfiguren auf gleicher Seite umfallen wie Zinnsoldaten. Kompetent und mit einigem pyrotechnischen Aufwand ist das folgende Gepolter zweifelsfrei umgesetzt – bisweilen dürftig wirkt einzig die CGI-Unterstützung der 70 Millionen Dollar teuren Materialschlacht.

Die wirkt im Kern wie ein aufgeblasenes B-Movie für Videotheken-Haudegen des Schlages Seagal, Van Damme oder Lundgren. Aber so ist es eben an Butler, die Reihen der Gegner wenig zimperlich zu lichten. Schließlich gilt es neben Asher auch dessen Sohn zu retten und all die in Zeitlupe verwehten US-Flaggen zu rechtfertigen. Neben den Oscar-Preisträgern Morgan Freeman („Million Dollar Baby“) und Melissa Leo („The Fighter“) fährt der Cast auch gestandene und straffällig unterbeschäftigte Randakteure wie Angela Bassett („Strange Days“) und Robert Forster („Jackie Brown“) auf. Insgesamt bleiben die Akteure prominent, der politische Ton ewig gestrig und die brutale Action krawallig. Dem Unterhaltungsauftrag wird Hollywood damit einmal mehr äußerst fragwürdig gerecht.

Wertung: (4 / 10)

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