Coffin Baby (USA 2013)

coffin-baby„If you can’t be something great… Do something terrible…“

In Hollywood geht ein brutaler Mörder um, der seine Tatwaffen einem Werkzeugkasten entnimmt. Das erscheint bekannt? Natürlich, denn wem Dennis Donnellys „Toolbox Murders“ von 1978 (deutscher Titel: „Der Bohrmaschinenkiller“) kein Begriff ist, der erinnert sich vielleicht an Tobe Hoopers 2004 nachgeschobenes, sehr freies Remake. Dem schickt Dean Jones in Personalunion aus Regisseur, Produzent und Co-Autor das Quasi-Sequel „Coffin Baby“ hinterher. Nur hat das von harscher Gewalt abgesehen kaum mehr als hehre Ambition und passable Ansätze zu bieten.

Als Maskenbildner und Make-Up-Künstler hat sich Jones einen Namen gemacht und erhielt für den „Star Trek“-Ableger „Deep Space Nine“ zwei Emmys. An Hoopers Neuverfilmung des Werkzeugkasten-Killers war er ebenfalls beteiligt, so dass ihm eine Nähe zum Stoff keineswegs abzusprechen ist. Allerdings genügt das kaum als Gütekriterium seiner mit sichtbar schlankem Budget realisierten Erweiterung. Die zeigt den von übernatürlichem Hauch umwehten und – das verdeutlicht bereits das Cover des Films zweifelsfrei – schrecklich entstellten Mörder recht drastisch beim blutigen Tagwerk. Eine echte Story wird darum jedoch nicht erzählt.

Nicht, dass ein Horror-Thriller alter Schule diese zwingend nötig hätte. Aber „Coffin Baby“ wirkt doch nicht selten wie eine lose Aneinanderreihung übertriebener Gewaltszenarien. Das unterstreicht bereits der Auftakt, bei dem der verhüllte Killer in einem Apartment-Komplex (eine sichtliche Anspielung ans Original) die Schwester von Samantha Forester (Chauntal Lewis) ermordet. Mit einem Teppichmesser schneidet er ihr Lippen und Nase ab und traktiert einen Augapfel in der seit Buñuels „Andalusischem Hund“ bewährt schockintensiven Nahaufnahme. Dass der Film in Deutschland nur mit erheblichen Zensureingriffen veröffentlicht werden durfte, überrascht daher kaum.

Mehr als dem reinen Selbstzweck dient die Gewalt jedoch nicht und nachdem Samantha mit verschiedenen im Dunklen tappenden Polizisten – Clifton Powell („Street Kings“) und Brian Krause („Charmed“) – gesprochen und den Tatort besichtigt hat, wird sie vom Täter kurzerhand entführt und in ein dunkles Kellerloch gesperrt. Dort erfährt sie erst selbst Malträtierung (Schmirgelpapier, Bunsenbrenner) und muss schließlich mit ansehen, wie der Wahnsinnige andere Opfer zerlegt. Dass die durchaus überzeugend aufspielende Chauntal Lewis dabei auch nach mehr als einer Woche im Verlies aussieht, als wäre sie frisch geduscht, belegt allerdings eher den Billigfilmcharakter von „Coffin Baby“.

Dessen Titel spielt auf die Geburt des von Stuntman Christopher Doyle („Scream“) verkörperten Killers an, der in einem Sarg zur Welt kam. Mehr gibt es nicht zu wissen. Der Rest besteht aus sadistischer Marter und betont düsterem Look. Zwischendurch schleicht sich unfreiwillige Komik ein, wenn das Phantom von Hollywood eine Gruppe afroamerikanischer Gangster meuchelt oder Samantha mit abgetrennten Gliedmaßen etwaiger Opfer bewirft. Hier ist eindeutig der Weg das Ziel und der bedeutet Blut und Ekel. Dass es gen Ende auch Alt-Star Bruce Dern („Driver“) ins dunkle Folterloch verschlägt, nutzt weder ihm noch dem Film. Aber so bleibt wenigstens alles unerklärlich: Gastauftritt, Geisterscheinungen und Gewaltgeilheit.

Wertung: (3,5 / 10)

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