Nothington – Borrowed Time (2011, Uncle-M)

nothington-borrowed-timeIm Hause NOTHINGTON geht es zu wie im Tollhaus. Die (weitestgehend) akustische EP „More Than Obvious“ war im Sommer Vorbote für eine ausgedehnte Tour durch Europa und nun legen die Jungs aus San Francisco ihr drittes Album „Borrowed Time“ nach. Auf diesem zelebrieren sie wieder einmal ihre bierseligen Hymnen im Karohemd-Gewand. Diese hemdsärmelige Art des Punkrocks mag nach einem Rückblick der letzten Jahre ganz gewiss nicht mehr als Neuerung durchgehen, macht in Form dieser weiteren elf Songs aber einfach immer noch unglaublich viel Spaß. Und nichts anderes soll „Borrowed Time“ schließlich auch machen.

Wo aber steht nun das neue Output des Quartetts, zumindest verglichen mit den beiden großartigen Vorgängern? Sicherlich wiederholt sich manches, aber davon war auszugehen. Das eigene hohe Niveau aber halten NOTHINGTON grundsätzlich. Manchmal mag der Sound ein klein wenig klarer und nicht mehr ganz so rau klingen, man nehme einfach mal „Ordinary Lives“. Glatt ist hier immer noch der falsche Begriff, doch trotzdem ist man hier von einem Kaliber wie „Not Looking Down“ weit entfernt. Unabhängig davon ist dies – weil so unverschämt eingängig und hymnisch – ein Kandidat für die Dauerschleife. Gleiches gilt zum Beispiel auch für „To Hold On“. Da soll einer mal mit Mittelmaß ankommen! Der Opener „Captive Audience“ hat dagegen diesen typisch rauen Charme und in bekannter Manier pflügt die Band das Feld erst mal von hinten auf. Man überlässt nichts dem Zufall, sondern bestätigt eher die Regel ihrer gewohnt schnellen und temporeichen Opener. „Where I Can’t Be Found“ poltert dann hymnischer und im Tempo gemäßigter, während „Far to Go“ vor allem durch das tolle Zusammenspiel seiner beiden Sänger besticht.

Doch trotzdem – auch wenn die Band einen schnell bei der Hand nimmt und ein vertrautes Gefühl im Ohr hinterlässt – sind sie den Weg des geringsten (musikalischen) Widerstandes gegangen. Dies mag aber auch der ständigen „Unruhe“ in Form ausgiebiger Touren und der Rotation des Personals geschuldet sein. Nichtsdestotrotz braucht man sich über fehlende Hymnen keine Sorgen zu machen, denn mit „Borrowed Time“ liefern NOTHINGTON in gewohnt begeisternder Manier ab. Auch wenn die Klasse und Intensität der beiden Vorgänger nicht ganz erreicht wird.

Wertung: (7,5 / 10)

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