North Alone – Cure & Disease (2015, Country Bumpkin Records)

Folk-Rock aus Deutschland, stilecht mit Geige. Kann das funktionieren? Die Frage beantwortete NORTH ALONE mit seinem Zweitalbum „Cure & Disease“ bereits 2015 eindrucksvoll mit einem klaren: unbedingt. Im Bandgefüge (mit Musikern von HALFWAY DECENT) und unterstützt von namhaften Gastsängern – bei „Scatter My Ashes Into the Sea“ ist es Ian Cook von LARRY AND HIS FLASK, bei „Old Dog Barking“ John E. Carey von OLD MAN MARKLEY – breitet der sympathische Singer/Songwriter 11 Stücke aus, die von persönlichen Erfahrungen geprägt sind. Es sind Blicke auf das Leben, die zur identifikatorischen Auseinandersetzung einladen. Egal ob Verlustverarbeitung oder Ode an geliebte Menschen, textlich bleibt die Platte stets nahbar. „There ain’t no new love songs to write“, heißt es etwa im starken „The Last Inch“. Das Hörvergnügen wird darüber keineswegs gemindert.

Gesteigerte Wehmut schwingt bereits beim eröffnenden Titeltrack mit. Das Tempo wird auch in der Folge selten angezogen. Der Punk schwingt trotzdem mit, als unterschwelliger Zaungast. Das lässt momentweise Vergleiche mit THE GASLIGHT ANTHEM zu. Mit dem gewichtigen Unterschied, dass der klassische Folk-Anteil durch die prägende Geige deutlich in den Vordergrund strebt. Der Inspirationsspielraum ist insgesamt dennoch überraschend breit, wie etwa das vom Rock’n’Roll geküsste „Some Other Day“ oder das mit zarter Dixie-Note versehene „Inscription“ belegen. Dass die große Stimme von Manuel North aber nicht nur bei balladesk-melancholischen Nummern wie „Black Water“ oder „Greetings From Someone Else“ voll zur Geltung kommt, unterstreichen hymnisch rockige Vorzeige-Hits wie „Missing Heart Shadow“ oder „The Roads Most Travelled“. Kurzum: Für famosen Folk muss der Blick keineswegs bis nach Übersee schweifen, sondern kann ruhig auf Osnabrück verharren.

Wertung: (8 / 10)

scroll to top