North Alone – Next Stop CA (2018, Country Bumpkin Records/Mad Drunken Monkey Records)

Von Niedersachsen bis Kalifornien ist es nur ein Katzensprung. Für den verbindenden Brückenschlag sorgt Manuel North, der als NORTH ALONE wieder im Bandkollektiv offenbart, dass die mitreißende Verbindung von Folk und Punk keine US-Domäne sein muss. „Next Stop CA“, der dritte Langspieler des kumpelhaften Singer/Songwriters aus Osnabrück, ist eine erstklassige Ode an alte Helden des melodischen Punk-Rocks: DESCENDENTS, NO USE FOR A NAME, LAGWAGON. Ihnen zollt North in seinen Texten Tribut – und über Bandshirts. Die spielen im Opener „Extralarge“ eine wesentliche Rolle. Denn ob sie passen oder nicht, sie bleiben ein Statement, eine Huldigung der eigenen Jugend und zugleich Ausdruck des ewigen Punkseins. Romantisierend ist das sicher. Allen voran jedoch großartig.

Musikalisch nimmt der Punk einen deutlich größeren Stellenwert ein als auf dem bereits famosen letzten Langspieler „Cure & Disease“ (2015) – oder der „Rare & Short“-EP (2016), von der drei Tracks neu aufgelegt wurden. Die Stücke verfügen über weit mehr Tempo und Dynamik. Doch auch textlich ergeben sich Unterschiede: Wo in der Vergangenheit vornehmlich schwermütige Töne das Gesamtbild prägten, fährt North mit „Summer Day“ diesmal ein echtes Gute-Laune-Stück auf, an dem durch subtile Dixie-Anklänge auch die späten MAD CADDIES ihre helle Freude hätten. Was „Next Stop CA“ so einnehmend gestaltet, ist die immense Spielfreude. Dass man sämtliche Bestandteile von anderen Bands und Künstlern kennt, mindert die individuelle Klasse von NORTH ALONE keinen Deut. Der ironische Titel des zweiten Stücks „My Music Sucks“ könnte die Platte daher kaum weniger adäquat umschreiben.

Bemerkenswert ist neben der Hitdichte auch die Homogenität, mit der Punk und Folk ineinandergreifen. Die Geige, auf „Cure & Disease“ noch hervorstechend prägendes Moment, wird zum abrundenden Element, das den Songs das gewisse Etwas verleiht. Dabei fällt es sichtlich schwer, die Texte von hymnischen Knallern wie „Razorless“, „The Romantic Sense of Rock’n’Roll“, dem Titelstück oder der Tony-Sly-Hommage „November 16“ – zitiert wird der 2012 verstorbene NO USE-Frontmann zudem in „Meaning Of“ – bereits beim zweiten Durchlauf lauthals mitzuschmettern. Das Tempo wird erst mit dem rockig umspielten „180 Degrees“ gedrosselt. In Summe könnte man „Next Stop CA“ fast als die perfekte Sommer-Platte beschreiben. Nur würde man NORTH ALONE damit kaum gerecht. Denn dies Dutzend Songs funktioniert einfach über das gesamte Jahr hinweg prächtig.

Wertung: (8,5 / 10)

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