Captain’s Diary – Zeitraffergeschichten (2017, Dancing in the Dark Records/Tanz auf Ruinen Records)

Für das Gros der Sänger und Songschreiber ist es eine Selbstverständlichkeit, das Herz auf der Zunge zu tragen. Häufig besteht ihre Musik aus kleinen, unaufgeregten Geschichten, textlich verschwurbelten Anekdoten über das emotionale Auf und Ab des Lebens. Davon kündet auch „Zeitraffergeschichten“, das dritte deutschsprachige Album des Ruhrpottlers Sebastian Müller. Unter dem Namen CAPTAIN’S DIARY hinterlässt er seit dem ausklingenden letzten Jahrtausend seine Spuren in der heimischen Musikwelt. Seine Texte sind an Menschen gerichtet, die sich ihren Trotz bewahren, nicht aufstecken und den Kopf nicht in den Sand stecken – denn das schmeckt, wie der einnehmende Opener „Herzen auf Zungen“ offenbart, ohnehin scheiße.

Die Scheibe gibt sich unaufgeregt und trotz instrumentalem Bandverbund sympathisch reduziert. Dass dies Kapitäns-Logbuch wenig mit Wohlfühlthemen an der Mütze hat, belegen Nummern wie „Teufel Angst“ oder die sich gegen Homophobie erhebende John-Lennon-Ode „Was übrig ist“. Seine Zuversicht lässt sich CAPTAIN’S DIARY jedenfalls nicht austreiben. Die von Herzen kommende Widerspenstigkeit ebenso wenig. „Roboter“ etwa richtet sich gegen die Fremdbestimmung, während „Ich kann das nicht“ der Smalltalk-Kultur entgegentritt. Träumerisch wird es bei der flüchtigen Stau-Ballade „Hinter mir“, in der die Musik einmal mehr zum verbindenden Element wird. „Zeitraffergeschichten“ ist eine prima Platte, die perfekt zu Dancing in the Dark Records passt, dem Label des durchaus artverwandten SENORE MATZE ROSSI. Oder, um es mit den eigenen Worten des Captains zu sagen: „Ich glaub‘, das hat geklappt.“ Garantiert!

Wertung: (7,5 / 10)

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