Nanny Diaries (USA 2007)

nanny-diariesAls offizielle Muse von Woody Allen war Scarlett Johansson zuletzt häufiger in ernsteren Rollen zu sehen, vor allem wenn Mr. Neurotic persönlich hinter der Kamera seinen Platz einnahm. Für „Nanny Diaries” geht die Johansson mal wieder seichtere Wege. Das mag in gewisser Hinsicht funktionieren, dennoch wäre hier sicherlich mehr möglich gewesen, vor allem wenn die „American Splendor“-Macher auf Schauspieler der Güteklasse eines Paul Giamatti – der bspw. die Hauptrolle in „American Splendor“ spielte – und einer Laura Linney zurückgreifen kann.

Die junge Annie (Scarlett Johannson) hat gerade das College beendet und strebt eigentlich eine Karriere im Finanzwesen an. Doch etwas in ihr sträubt sich gegen diesen Schritt, vor allem als sie in einem Gespräch dazu aufgefordert wird, sich selbst zu beschreiben. Zweifel und Fragen kommen ihr in den Sinn. Mehr durch Zufall gerät sie in den Radius der betuchten Upper East Side Klientel, die die adrette Annie gerne als Nanny ihrer verzogenen Sprösslinge haben wollen. Sinnkrise hin oder her, Annie nimmt einen Job bei Mr. und Mrs. X (Paul Giamatti, Laura Linney) an, deren Namen zu forschungszwecken von Annie bewusst entfremdet werden. Deren Sprössling, der kleine Grayer (Nicolas Art), entpuppt sich anfangs als Flegel, entwickelt im Laufe der Zeit aber eine intensive Beziehung zu seiner Nanny. Was aber für alle Beteiligten letztlich zu einigen Problemen führt.

Größtes Manko von „The Nanny Diaries“ ist schlichtweg dessen Unentschlossenheit. Für eine Komödie reichen die meist lammfrommen Gags nicht aus und auch als Familiendrama mag der Film nicht funktionieren, da der Schwerpunkt nicht auf der reichen und von unzähligen Problemen behafteten Familie liegt, sondern eben bei seiner präsenten Hauptdarstellerin. Eine Ausarbeitung ihrer Zweifel und Selbstfindungsphase hätte man durchaus tiefer darstellen können. Auch die zahlreichen inneren und äußeren Konflikte der unglücklichen Ehefrau – mit Bravour von Laura Linney („Tatsächlich Liebe“) verkörpert – hätten dem Film geholfen, da ihre Figur einfach am meisten hergibt. Dies gelingt zwar manchmal in Ansätzen, doch viel zu schnell kehren die Macher wieder in die reguläre und somit recht inhaltlose Spur zurück und präsentieren sogar obendrauf noch eine 08/15-Liebesgeschichte.

Paul Giamatti („Planet der Affen“) hat im Gegensatz zu seiner Filmehefrau nur wenig Zeit sich zu zeigen, so dass er als Schauspieler bis auf ein paar Klischees nichts zum Film beizusteuern hat. Scarlett Johannson („Match Point“) selbst agiert wie gewohnt souverän, auch wenn sie sicherlich weniger gefordert wird als sonst. Egal was sie tut, derart präsent und voller Ausstrahlung ist aktuell in Hollywood niemand von der jungen weiblichen Garde. Als klaren Vorteil muss man die kitschfreie Inszenierung beim Namen nennen. Zwar kommt auch dieser Film nicht um manche altbackenen Klischees umher, aber unterm Strich umschiffen die Macher bedrohliches Terrain meist mit Leichtigkeit. Dies macht den Film stellenweise sicherlich sehenswerter, wenngleich auch nicht origineller. Wie gesagt, mehr wäre sicherlich möglich gewesen als diese doch recht seichte Mischung aus Komödie und Drama.

Wertung: (6 / 10)

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