Mossat – II (2016, One Life One Crew)

mossat-iiEinfach machen es MOSSAT dem Hörer nicht. Das Intro kann alles und nichts bedeuten. Hardcore, Metal-Hardcore, vielleicht eine geschwindere Spielart des Doom? Die Gitarren wiegen schwer, bedrohlich schleppt sich die Einleitung vorwärts. Was folgt sind Chaos und Vernichtung. „Amok“ kommt überfallartig, gewaltig, und findet trotzdem Raum für ausladende Gitarrenparts. Zeit zum Verschnaufen lässt „II“ dabei nicht. 13 Songs in 25 Minuten mahnen zur Eile. Der Wirkung beschert das keinen Abbruch.

Schön ist das in stampfende Brecher gekleidete Elend der Welt nicht. Dafür ungemein dicht. Der Sound gibt sich stimmungsvoll dreckverkrustet. Eine zu polierte Produktion würde einfach nicht passen. Der Mix aus Hardcore, Death-Metal und Grindcore gewinnt durch die Verlagerung von Härte und Tempo an Profil. „Doom“ schraubt sich unerbittlich vorwärts, während „Turncoat“ auf Groove und schneidende Melodie-Sprengsel setzt. Beim instrumentalen Titeltrack investiert das mit zwei Bassisten agierende Sextett aus Hamm gar Zeit zur düster wabernden Entfaltung.

„II“ ist ein von individueller Klasse getragener Albumerstling, der zwischen Aggression und Desperation erstaunliche Intensität entwickelt. Die kritischen Texte („Wutbuerger“ widmet sich in deutscher Sprache dem aktuellen Verfall im eigenen Land) stützen den durchweg positiven Gesamteindruck. Angenehmer Beschallung entspricht die Platte mitnichten und ist gerade daher auch nichts für Zwischendurch. MOSSAT fordern Aufmerksamkeit – und verdienen sie sich durch eine perfektionsbefreite Erhabenheit, die der grassierenden Verkommenheit eine ungetrübte Spiegelfläche entgegenstellt. Davor kann man nur den (metaphorischen) Hut ziehen.

Wertung: (7,5 / 10)

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