Monster Man (USA 2003)

monster-manAuf dem letztjährigen Fantasy Filmfest wurde auch der Fun-Splatter-Streifen „Monster Man“ von Anthony Davis vorgestellt. Der persifliert auf witzige Weise gängige und in den letzten Jahren endlos durchgekaute Klischees. Der Plot rankt sich um den nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzenden Adam (Eric Jungmann). Der befindet sich mit dem Auto auf dem Weg zur Hochzeit seiner Verflossenen, der er vor ihrer Eheschließung noch unbedingt seine Gefühle mitteilen möchte.

Als ungebetener Gast im Auto tritt sein alter Kumpel Harley (Justin Urich) in Erscheinung, der Adams Plan mit seiner direkten, jedoch nicht immer taktvollen Art torpedieren möchte. Unterwegs nehmen sie die äußerst attraktive Anhalterin Sarah (Aimee Brooks) mit, um die kurze Zeit später das Liebesbalzen der beiden Freunde losgeht. Doch ein bedrohlicher Truck, der wie aus heiterem Himmel auftaucht und die drei rammt, sorgt für Ärger und Angst. Nachdem sie glauben, den seltsamen Fremden abgehängt zu haben, treffen sie auf eine Kneipe voller Verstümmelter, eine Leiche liegt in ihrem Wagen und auch der Truck samt Fahrer lässt sich nicht mehr so leicht abschütteln.

Nachdem sich der Horror-Film in den letzten Jahren wieder ein wenig ernster nahm, der Teenie-Slasher á la „Scream“ oder „Düstere Legenden“ neuerlich begraben wurde, führte Hollywood seine potenziellen Opfer wieder zurück zur Natur und somit in die Provinzen der USA. Das „Texas Chainsaw Massacre“ und Konsorten ließen grüßen, so sehr sogar, dass Marcus Nispel ein Remake davon drehen durfte. Auch in „Wrong Turn“ bekamen es junge Menschen mit den Vorlieben der Landbevölkerung zu tun. „Monster Man“ spielt ebenfalls in der Pampa und greift ungeniert jedes noch so offenkundige Klischee zur Wiederverwertung auf. Da wäre zum beispiel der lustig Degenerierte mit Leatherface-Gedächtnismaske sowie ein monströser Truck, der uns nach Blaupause von Steven Spielbergs „Duell“, in jüngerer Vergangenheit schon in „Jeepers Creepers“ oder „Joyride“ das Fürchten lehrte.

Das klingt ohne Frage nach dem x-ten Aufguss gängiger Horror-Schmierenstücke, doch hat „Monster Man“ weit mehr zu bieten, als man vermuten mag und im Endeffekt hat das Werk von Regisseur und Drehbuchautor Michael Davis mehr mit den Frühwerken von „Herr der Ringe“-Schöpfer Peter Jackson zu tun. Der Film hat vor allem eines, nämlich Witz. Angefangen bei den beiden Hauptdarstellern, die gegensätzlicher nicht sein könnten, werden hier reihenweise Schenkelklopfer gerissen, die zugebenermaßen bei einer Tankladung Bier für erhöhte Erheiterung sorgen. Deren mitunter hanebüchenen Dialoge lassen zwischenzeitlich vergessen, dass man es hier mit einem Horror-Film zu tun hat und auch die erwünschten Splatter-Einlagen sind während der ersten beiden Drittel des Films eher spärlich gesät.

Doch im letzten Drittel bekommt der Zuschauer das, was er wünscht und Davis zaubert etliche nett anzuschauende und stets augenzwinkernde Exzesse menschlicher Verstümmelungen auf die Leinwand. So gibt es gleich paarweise ausgestochene Augen oder sportliches Schlüsselsuchen in klaffenden Magengruben, wobei selbstredend mit Kunstblut nicht gegeizt wird und die Effekte höchsten Ansprüchen gerecht werden. Es mag vielleicht nicht ganz zum Kultstatus reichen, wie ihn ein „Bad Taste“ oder „Braindead“ genießen, doch ist „Monster Man“ eine unterhaltsame wie witzige Horror-Satire, die zudem mit sympathischen Darstellern bestückt ist.

Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

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