Mission: Impossible – Rogue Nation (USA/CN/HK 2015)

mission-impossible-rogue-nation„Desperate times, desperate measures.“ – Ethan Hunt

Tom Cruise polarisiert. Als Scientology-Vorkämpfer amüsierte und verstörte er in der Vergangenheit zugleich und was die Klatschpresse aus seinem Privatleben zu berichten weiß, fällt meist auch eher in die Kategorie „Kurioses“. Die Karriere als Schauspieler hat darunter bislang nicht gelitten. Der mittlerweile 53-jährige ist und bleibt ein Superstar. Das beweist er auch mit „Mission: Impossible – Rogue Nation“, dem bereits fünften Einsatz nach Vorlage der gleichnamigen klassischen Agentenserie (deutscher Titel: „Kobra, übernehmen Sie“). Als Hauptdarsteller und Produzent sorgt er wieder für hochkarätige Blockbuster-Unterhaltung mit eklatantem Hang zur Übertreibung. Wer das Hirn aber für rund 130 turbulente Minuten ausschalten kann, erlebt Hollywood-Kintopp der besseren Art.

Auf Skript und Story trifft das allerdings bestenfalls bedingt zu. Christopher McQuarrie, für „Die üblichen Verdächtigen“ Oscar-prämiert, drückt dem jüngsten Einsatz der nimmermüden Weltenretter um Cruises Quasi-Superheld Ethan Hunt als Regisseur und Autor seinen Stempel auf. Dabei geht es gleich zum Auftakt wieder spektakulär zu, wenn Hunt ohne Netz und doppelten Boden ein startendes Flugzeug entert. Für ihn und Kollegen brechen jedoch schwere Zeiten an. Denn CIA-Vorsprecher Alan Hunley (Alec Baldwin, „Blue Jasmine“) vereinnahmt die IMF und dessen Agenten. Für Computertüftler Benji (Simon Pegg, „Star Trek“) bedeutet das die Rückkehr an den Schreibtisch, der Vorgesetzte William Brandt (Jeremy Renner, „The Avengers“) muss für Hunley Spalier stehen.

Vermisst bleibt einzig Hunt, der im Untergrund auf eigene Faust nach Beweisen für die Existenz des bereits am Ende von „Phantom Protokoll“ erwähnten „Syndikats“ sucht. Das mischt sich zur eigenen Bereicherung – ähnlich SPECTRE in den James Bond-Abenteuern – in internationale Konflikte ein und weitet seinen Einflussbereich kontinuierlich aus. Durch die britische Doppelagentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson, „Hercules“) hofft Hunt an Syndikats-Strippenzieher Solomon Lane (Sean Harris, „Erlöse uns von dem Bösen“) heranzukommen. Hilfe erhält er, neben Benji und William, von seinem alten  Gefährten Luther (Ving Rhames, „Piranha 3D“). Doch nicht allein der riskante (eher unmögliche) Plan, eine Datei mit Namen der Syndikatsmitglieder aus einem streng bewachten Komplex zu rauben, weckt den Anschein, dass ihnen Lane stets einen Schritt voraus ist.

Zeit zum Verschnaufen lässt der wiederum von Blockbuster-Erfolgsgarant J.J. Abrams („Star Wars: Das Erwachen der Macht“) produzierte Action-Thriller nicht. Was – anders als etwa beim lachhaften zweiten Teil – über Logiklöcher und großspurige Übertreibung hinwegsehen lässt, ist neben dem spielfreudigen Ensemble die gute Portion Selbstironie. Dem rundum gelungenen Vorgänger kann „Rogue Nation“ zwar nicht vollends das Wasser reichen, Kurzweil und Vergnügen werden aber dennoch konsequent hoch gehalten. Tom Cruise, der als unkaputtbarer Supermann jeden noch so fatalen Unfall frei von Blessuren übersteht, wird vorrangig wieder von Simon Pegg gestützt, während Jeremy Renner diesmal aus körperlichen Szenen weitgehend herausgehalten wird. So bleibt trotz kleiner Abstriche perfekt gestyltes Popcorn-Kino mit großem Unterhaltungswert. Also bitte, auf zur nächsten unmöglichen Mission!

Wertung: (7 / 10)

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