Mission: Impossible III (USA/D 2006)

mission-impossible-3Es wird Zeit über die Hasenpfote zu sprechen. Sie ist ein Artefakt der Begierde, ein Synonym des Terrors. Sie könnte ein Behältnis sein, auf dem ein nichts gutes verheißendes Symbol prangt. Radioaktivität etwa. In den falschen Händen könnte sie unvorstellbares Unheil anrichten. Die Hasenpfote ist aber nicht nur Objekt des Verlangens, sie ist auch Zentrum eines ganzen Films und hält James Bonds technischen Bruder Ethan Hunt über zwei Stunden Spielzeit voll auf Trab. In „Mission: Impossible III“ schlüpft der jüngst von der produzierenden Paramount gefeuerte Scientologe Tom Cruise („Last Samurai“) erneut in die Rolle des tollkühnen Spezialagenten und erwehrt sich der Heimtücke von Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman („Capote“).

Unter der Regie von „Lost“-Produzent J.J. Abrams folgt die Abkehr von jenem Bildnis des heroischen Übermenschen, welches John Woo im haltlos überstilisierten zweiten Teil von Cruises alter Ego meißelte. Den Anfang füllt ein Ausblick auf Dinge, die da kommen. Unternehmer Owen Davian (Hoffman) hält Hunt gefangen und will Informationen über die Hasenpfote aus ihm herauspressen, gedenkt der Schurke diese doch an den Höchstbietenden zu veräußern. Zu diesem Zweck hält er einer Frau die Mündung einer Pistole an den Kopf. Hunts Frau. Ein Schuss fällt und die Geschichte findet ihren Anfang. In dem hat sich der tapfere Superagent vom aktiven Dienst zurückgezogen und bildet den Nachwuchs aus. In Ärztin Julia (Michelle Monaghan, „Kiss Kiss Bang Bang“) hat er die Frau fürs Leben gefunden. Der Heirat im Wege steht nur die Bitte des Kollegen Musgrave (Billy Crudup, „Almost Famous“), Hunt möge sich an der Befreiung einer von ihm geschulten Agentin in Berlin beteiligen.

Im weiteren Verlauf folgt „Mission: Impossible III“ einer verzweigt konstruierten wie schnell durchschaubaren Struktur aus Intrigen und Verrat. Die Mission schlägt fehl, die Agentin stirbt. Sie war auf Davian angesetzt, Hunt schwört Vergeltung. Zuvor ehelicht er Julia und zieht in einen privaten Krieg, bei dem sich sein Gegenüber als am längeren Hebel befindlich erweist. Denn dieser unterhält Beziehungen zu einem Kontaktmann in Hunts Abteilung. Wo beim Drehbuch Schmalhans Küchenmeister ist, möbeln die Effektspezialisten das inhaltlich wenig beständige Spektakel ordentlich auf. Die Logik wird zwar mit Füßen getreten, doch wird vom dritten Kinoaufguss der populären TV-Serie wohl niemand mehr verlangt haben als ein bombastisches Actionfeuerwerk. In dieser Hinsicht geben sich Film und Regie keine Blöße.

Der Alleingang Ethan Hunts, wie ihn Woo im Vorgänger als massenkompatibel hirnverbrannten Overkill inszenierte, weicht wieder dem Agenten als Teamspieler. Ving Rhames („Dawn of the Dead“) ist als Luther zum dritten Mal für Schützenhilfe und auflockernde Ironie zuständig, weitere Unterstützung leisten Jonathan Rhys Meyers („Match Point“) und Maggie Q („Naked Weapon“). Und weil jeder Agent, sei er nun britisch oder nicht, einen computerversierten Helfer in der heimischen Basis braucht, tritt das englische Multitalent Simon Pegg („Shaun of the Dead“) als zusätzlich Humor injizierender Helfer auf. Der Rest ist schnell verdaulich wie actionreich aufbereitet, dabei angemessen unterhaltend ohne zu fordern. In seiner zu kurzen Spielzeit lässt Philip Seymour Hoffman den Kollegen Cruise blass aussehen und triumphiert so lange, bis der Plot den Cliffhanger des Auftakts eingeholt hat. Was die Hasenpfote nun genau ist, bleibt das Geheimnis der Autoren. Offensichtlicher ist da schon die brüchige Substanz der Alibi-Geschichte. Weil deren Zweck aber auch diesmal die Mittel des modernen Hollywood-Kinos heiligt, unterhält „Mission: Impossible III“, ohne das Ärgernis seines Vorgängers zu sein.

Wertung: (6,5 / 10)

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