Mission: Impossible – Phantom Protokoll (USA/UAE/CZ 2011)

mission-impossible-4Tom Cruise rennt wieder. Wie so oft in seinen Filmen gibt der streitbare Scientology-Vorsprecher auch in „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ ordentlich Kniegas. Sein Tempo ist auch das der Geschichte, die sich in bester James Bond-Manier über kurze Lagebesprechungen und Planungsphasen von einem beeindruckenden Schauplatz zum nächsten hangelt. Im Vorspann taucht sein Name früh auf. ´A Tom Cruise Production´ heißt es vollmundig. Was das für seinen vierten Einsatz als Spezialagent Ethan Hunt bedeutet, scheint klar. Schließlich sind die unmöglichen Missionen stets seine. Doch diesmal ist es anders. In der originalen Fernsehreihe „Kobra, übernehmen Sie“ stand das Team im Vordergrund. Darauf besinnen sich, stärker noch als im direkten Vorgänger, auch die Autoren und stellen Cruise drei relevante (Film-)Partner zur Seite.

Der größte Gewinn ist dabei die Beförderung von Simon Peggs („Hot Fuzz“) Computerspezialist Benji Dunn in den Außeneinsatz. Der jugendliche Charme des Briten und vor allem sein komödiantisches Talent tragen ein gutes Stück zur Kurzweil des haltlos übertriebenen Blockbusters bei. Wenn zum Auftakt „Lost“-Star Josh Holloway geopfert wird, ist auch die Beteiligung von J.J. Abrams, Schöpfer jenes modernen TV-Phänomens, offensichtlich. Bei „Mission: Impossible III“ hatte er noch selbst auf dem Regiestuhl gesessen. Beim neuerlichen Aufguss tritt Abrams neben Cruise als Produzent in Erscheinung. Die Umsetzung verantwortete an seiner Statt Brad Bird, der bislang eher durch seine Verdienste um den Animationsfilm auffiel und für „Die Unglaublichen“ und „Ratatouille“ jeweils mit einem Oscar prämiert wurde.

Dass die von ihm auf die Leinwand gebrachten Trickfilmfiguren lebendiger wirken als die Protagonisten in seiner ersten Kino-Großproduktion mit menschlicher Besetzung, ist nicht zwingend ihm anzulasten. Denn vor allem Hauptdarsteller Cruise wirkt abseits der körperbetonten Szenen reichlich hölzern. Glücklicherweise aber gilt es für ihn mehr zu rennen und schießen als zu reden. Anlass dafür gibt Terrorist Hendricks („Millennium Trilogie“-Star Michael Nyqvist). Der will sich Codes zur Zündung russischer Atomraketen aneignen und einen neuen Weltkrieg auslösen. Um die Spannungen zwischen Russland und den USA zu steigern und obendrein seine Spuren zu verwischen, sprengt der Wahnsinnige einen Teil des Kremls in die Luft und lässt Hunt als vermeintlich Schuldigen zurück.

Auf sich allein gestellt müssen der Agent in ewig unmöglicher Mission und seine Helfer – neben Benji sind es Agentin Jane Carter (Paula Patton, „Precious“) sowie der unscheinbare Analyst Brandt (Jeremy Renner, „The Town“) – Hendricks stoppen und sich zudem den Zugriffsversuchen eines russischen Geheimdienstlers (Vladimir Mashkov, „Im Fadenkreuz“) entziehen. Die mit allerlei technischen Gadgets angereicherten Actionszenarien sind sehenswert übertrieben und warten zudem mit einigen originellen Einfällen auf. Heraus sticht neben der Infiltrierung des Kreml vor allem die Episode in Dubai mit der Kletterpartie an der Außenfassade des Burj Khalifa sowie der darauf folgenden Verfolgungsjagd durch einen Sandsturm.

Von jeder Logik befreit, bietet „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ exakt das, was Fans und Kritiker erwarten durften: Perfekt gestyltes Kino-Kintopp zum Staunen und Kopfschütteln. Spektakulären Bildern stehen dünne Dialoge, Hunts dramaturgisch unnötig aufgeblasene Vergangenheit sowie Nyqvists unterforderter Bösewicht gegenüber. Die Brücke zu den Vorgängern schlagen Cameos von Ving Rhames, Cruises Partner in den vorangegangenen Teilen, sowie Michelle Monaghan („Mission: Impossible III“). Für ein kurzes Gastspiel darf auch Charakterdarsteller Tom Wilkinson („Michael Clayton“) ins Geschehen eingreifen und Hunt auf seine Rogue-Mission entsenden. Für streckenweise furioses Adrenalin-Kino ist damit gesorgt. Nur das Gehirn sollte man vorsorglich auf Standby schalten.

Wertung: (7,5 / 10)

 

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