Harbinger Down (USA 2015)

inanimate-harbinger-down„We’re going to need a bigger bucket.“ – Aus der Abteilung „Überflüssige Zitatvariationen“: Graff

Es ist ein schmaler Grat zwischen Hommage und Abklatsch. Gut gemeint ist die Anlehnung an unverwüstliche Klassiker meist, in der Umsetzung aber fehlt vielen Filmen die eigene Note. Statt sich von den großflächig zitierten Originalen abzuheben, drängen sich Vergleiche regelrecht auf. Wer da wohl am Ende den Kürzeren zieht? Ein weiteres Beispiel ist „Harbinger Down“, dessen UK-Titel „Inanimate“ auch nicht gerade von spektakulärer Unterhaltung kündet. Deutlich interessanter als die dramaturgisch ungelenke Variierung von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“-Remake ist aber zumindest die Entstehungsgeschichte.

Für die als Prequel getarnte Neuverfilmung des Stoffes, die 2011 als „The Thing“ in die Kinos kam, kreierten Alec Gillis und Tom Woodruff Jr. (für „Der Tod steht ihr gut“ Oscar-prämiert) der Carpenter-Version entsprechende handgemachte Effekte. Nur mussten die letztlich zeitgemäßen Tricks aus dem Computer weichen. Um dieser Kultur entgegenzuwirken, begannen Gillis und Wodruff Jr. über die von ihnen bereits Ende der 80er Jahre gegründete Trickschmiede Amalgamated Dynamics (ADI) ihr erstes komplettes Filmprojekt zu finanzieren. Aufgrund der Prämisse, den omnipräsenten CGI klassische Effekte und Miniaturen entgegenstellen zu wollen, war das Interesse groß. Bemerkenswert ist an „Harbinger Down“ abseits der gelungenen Tricks trotzdem wenig.

Mit Universitätsprofessor Stephen (Matt Winston, Sohn von Effekt-Legende Stan Winston) geht Studentin Sadie (Camille Balsamo) an Bord des Fischerbootes Harbinger. In der Beringsee will das Wissenschaftsteam die Auswirkungen des Klimawandels auf Belugawale untersuchen. Als Sadie auf ein im Packeis konserviertes Wrackteil einer russischen Raumsonde stößt, nimmt das Grauen seinen Lauf. Denn Experimente mit Mikroorganismen haben eine Lebensform geschaffen, die sich beliebig verändern und andere Wesen absorbieren kann. Für Kapitän Graff (Lance Henriksen, „Aliens – Die Rückkehr“), zugleich Sadies Großvater, und die Crew der Beginn eines zunehmend aussichtslosen Überlebenskampfes.

Der Zitatregen in Richtung Carpenters „Ding“ (später auch „Virus“ und „Octalus“) beginnt bereits beim ins Jahr 1982 zurückblickenden Auftakt. Dem folgt die Vorstellung der grob skizzierten wie arg stereotypen Figuren sowie Reibereien zwischen Sadie und Stephen ob der Besitzrechte am Fund. Zahlreiche Totaleinstellungen sollen gerade an Deck das schmale Budget kaschieren, weisen den Streifen aber schnell als B-Film aus, dessen Ambition von den sehenswerten Tricks weitgehend aufgezehrt wird. Dem von Gillis inszenierten Sci-Fi-Horror fehlt es an Originalität, an Abwechslung und – abseits des soliden Lance Henriksen – zudem an präsenten Darstellern. Handgemachter Monsterterror in Ehren, als Alternative zum (oder Hommage an den) Carpenter-Klassiker ist das jedoch viel zu wenig.

Wertung: (4 / 10)

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