Mein Name ist Nobody (I/D/F 1973)

mein-name-ist-nobodyDer Spaghetti-Western ist der Gegenentwurf zum verklärten Altruismus des US-amerikanischen Genreursprungs. Dessen italienische Negation ist in ihren besten Momenten pure Ideologiekritik, in ihren schwächsten schematisches Formelkino ohne Budget oder Belang. Die Überschreitung des Zenits bedeutete für die europäische Spielart der Pferdeoper die Öffnung für die Komik. Die zynischen Antihelden waren von der Zeit und der Übersättigung des Marktes eingeholt worden. An ihre Stelle traten gewitzte Tausendsassa, die meist nur Klamauk bedienten und mit ihren nihilistischen Wurzeln kaum mehr gemein hatten als mit echter Komik.

Die Königsübung des Spaßwesterns ist zu großen Teilen Co-Regisseur Sergio Leone zu verdanken. Er schuf den Mythos mit „Für eine Handvoll Dollar“ und besorgte durch „Spiel mir das Lied vom Tod“ gleich noch den Abgesang. „Mein Name ist Nobody“ geht noch einen Schritt weiter. Auch er trägt die alten Helden mit einem Schuss Wehmut zu Grabe, präsentiert an ihrer Stelle aber einen Nachfolger. Die Selbstreflexion des Genres zelebrieren Leone und der eigentlich als Regisseur genannte Tonino Valerii („Sie verkaufen den Tod“) als Treffen der Generationen. Alt-Star Henry Fonda („Die 5 Vogelfreien“) übergibt den Staffelstab an das gerissene Blauauge Terence Hill („Die rechte und die linke Hand des Teufels“), jenen titelgebenden Niemand.

Fonda ist Jack Beauregard, ein Revolverheld von legendärem Ruf. Ohne Aufsehen will er Amerika den Rücken kehren und sich in Europa zur Ruhe setzen. Die von ihm allein bestrittenen Szenen sind klassisch düster gehalten, überschattet von Ernsthaftigkeit, geprägt von (brillant stilisierter) Skrupellosigkeit. Doch vollzieht sich der Abschied aufs Altenteil nicht so leicht wie erhofft. Denn Nobody, zuständig für übermütig infantilen Humor und fliegende Fäuste, verschafft dem erklärten Idol einen Abgang nach Maß. Im Hintergrund stellt er die Weichen für eine Konfrontation Beauregards mit einer berittenen Verbrecherhorde. Das scheinbar aussichtslose Gefecht soll den besonnenen Scharfschützen unsterblich machen.

Die Idee zum Film war nicht nur die Leones, seine Handschrift ragt auch überdeutlich hinter dem Namen Valeriis hervor. Die Dynamik der Bilder, das Zeremoniell der Duellsituationen, ihr Zusammenwirken mit der Musik Ennio Morricones („The Good, the Bad and the Ugly“) bedienen abermals dies Stimmungsbild epischer Breite. So protegierte Leone mit „Mein Name ist Nobody“ ein weiteres vortreffliches Genrewerk – und besorgt die Parodie gleich noch dazu. Die große Ausdruckskraft Fondas trifft auf das unbekümmerte Spiel Hills. Die Gegensätze ziehen sich an und schaffen einen Generationenkonflikt von diebischer Freude. Eine meisterliche Klamotte mit tragikomischen Untertönen.

Wertung: (8 / 10)

scroll to top