The Good , the Bad and the Ugly (I 1966)

the-good-the-bad-and-the-uglyDer 1989 verstorbene Meisterregisseur Sergio Leone läutete im Jahre 1964 mit seiner billig produzierten Pferdeoper „Für eine Handvoll Dollar” die Geburtstunde eines neuen Genres, dem Italo- oder auch Spaghetti-Western ein. In den Jahren zuvor wurde zwar schon einige Western im Süden Europas produziert, doch gelang es erst Leone unter tatkräftiger Mithilfe des bis dato relativ unbekannten Darstellers Clint Eastwood, in Amerika lediglich durch die TV-Serie „Rawhide” in Erscheinung getreten, dieser subkulturellen Wegrichtung auf die Beine zu helfen. Das Prinzip und der Erfolg der meisten Italo-Western beruht dabei auf der simplen Umstrukturierung der Klischees amerikanischer Vorbilder und ihren Heldenfiguren. Deren Charakteristika wurden nicht mehr durch die gängige Gut/Böse-Schablone definiert, sondern einer ambivalenten Gesinnung unterworfen, die gängige Grenzen verwischen ließ.

Unter dieser Prämisse entstanden in Europa zwischen 1964 und 1975 schätzungsweise 600 Western, überwiegend mit einem überschaubaren Budget realisiert und häufig in Koproduktion von italienischen und spanischen Studios auf die Leinwand gebracht. Für Hauptdarsteller Eastwood, damals 34-jährig, bedeuteten die Ausflüge nach Europa den Nährboden für eine Karriere als umjubelter Weltstar, der seinen ikonenhaften Status über viele Jahre mit prägnanten Rollen (allen voran die des zynischen Cops in „Dirty Harry”) aufrecht erhielt und sich diesen bis heute bewahrt hat. Mit einem Budgetrahmen von einer Million Dollar im Rücken, von dem allein Eastwood ein Viertel als Gage einstrich, schuf Segio Leone 1966 mit „The Good, the Bad and the Ugly” einen epochalen Klassiker des Genres und setzte sich selbst ein Denkmal. Noch verstärkt wurde dieses durch seine Amerika-Trilogie, zusammengesetzt aus „Spiel mir das Lied vom Tod”, „Todesmelodie” und „Es war einmal in Amerika”.

Auf die Frage, wieso er gerade diesen Titel für den Abschluss seiner Dollar-Trilogie wählte, antwortete Leone einst, jeder Mensch wäre doch auf seine Art „good”, „bad” und „ugly” zugleich. Die drei Protagonisten, durch diese Namensgebung schon im Vorfeld charakterisiert, werden zu Beginn des Films allerdings in umgekehrter Reihenfolge vorgestellt. Da ist Tuco (Eli Wallach), aufmüpfiger Selbstdarsteller und cholerischer wie schießwütiger Desperado, der seinen Mangel an Intelligenz durch eine gehörige portion Verschlagenheit wettmacht. Dem kaltblütigen Killer Setenza (Lee van Cleef) hingegen scheint jedes Mittel recht, ein gesetztes Ziel zu erreichen, wodurch er zum Sklaven seiner eigenen pervesen Moralvorstellung verkommt. Dritter im Bunde ist der kühne wie kühle Halunke Blondie (Clint Eastwood), ein zynischer Denker, obendrein flink mit den Fingern am Abzug.

Überhaupt scheinen Revolver in „The Good, the Bad and the Ugly” die besseren Argumente darzustellen. Denn erst nach knapp zehn verstrichenen Minuten geht die erste Silbe über die Lippen eines Darstellers, während bis zu diesem Zeitpunkt bereits drei Männer ihr Leben lassen mussten. Es herrscht von Beginn an ein eher gediegenes Erzähltempo. Leone hat es nicht eilig, die Geschichte auf ihre zahlreichen Höhepunkte zutreiben zu lassen. Vielmehr spinnt der Regisseur ein beeindruckendes Geflecht verschiedener Handlungsstränge. Hauptaugenmerk wird Anfangs noch auf Tuco und Blondie gelegt, die als hintersinnige Partner Kapital daraus schlagen, dass der Mexikaner steckbrieflich gesucht wird. Also liefert der blonde den Verbrecher in verschiedenen Städten ab und kassiert die ausgesetzte Belohnung, nur um im Anschluss bei Tucos anstehender Hinrichtung durch den Strang jenen durchzuschießen und dem Outlaw zur Flucht zu verhelfen.

Als Blondie das Risiko zu groß wird, lässt er Tuco gefesselt und bargeldlos in der Wüste zurück. Doch dieser überlebt den mörderischen Marsch und sinnt auf Rache, für die er schon bald darauf Gelegenheit erhält. Tuco nimmt Blondie gefangen und zwingt ihn nun seinerseits zu einem Spaziergang durch die Wüste. Er selbst thront auf dem von einem Sonnenschirm beschatteten Rücken eines Pferdes und badet seine Füße in Unschuld. Sichtlich angeschlagen und dem Tode nahe, stößt Blondie mit seinem sadistischen Begleiter auf eine versprengte Soldatenkutsche, angefüllt mit den Leichen abtrünniger Infanteristen. Einziger Überlebender ist ein Soldat namens Bill Carson, der den beiden von einer Kassette voller Gold berichtet, die auf einem entlegenen Friedhof weit hinter der Front verborgen liegt.

Vor seinem Ableben berichtet Carson Tuco von der Lage der Ruhestätte längst verstorbener, während er Blondie in der Abwesenheit des Mexikaners die Inschrift des Grabsteins offenbart. So muss Tuco wohl oder übel das Leben des verhassten Partners retten, um sich letzten Endes noch die möglichkeit zu bewahren, in den Besitz des Vermögens zu gelangen. Doch auch Setenza ist hinter dem Schatz her, so dass sich die Wege der drei Banditen schon kurze Zeit später kreuzen. In den Wirren des fortschreitenden Sezessionskrieges gipfelt der verbissen geführte Kampf der beiden Parteien in einem finalen Duell der Outlaws auf dem Grund des besagten Friedhofs. Und das sucht im Bezug auf Atmosphäre, Kameraarbeit und Umsetzung wahrlich seinesgleichen. Einen nicht unerheblichen Teil der Atmosphäre schöpft Leone aber auch aus den legendären Kompositionen Ennio Morricones („Spiel mir das Lied vom Tod”).

Während des gesamten Verlaufs der Geschichte behält Sergio Leone die Fäden in der Hand, lässt den Film niemals seiner Kontrolle entgleiten. Aufgrund dieser Meisterleistung wirkt das verschachtelte und inhaltsschwangere Werk trotz einer Lauflänge von knapp 170 Minuten zu keiner Sekunde langatmig, geschweige denn langweilig. Der enorme Unterhaltungswert von „The Good, the Bad and the Ugly” ist daneben aber auch der gehörigen Portion sarkastischen Humores und den perfekt aufeinander abgestimmten Darstellern zuzuschreiben, die ihre Paraderollen mit spürbarem Spielwitz verkörpern. So sind Hollywoodlegende Clint Eastwood („Erbarmungslos”), Eli Wallach („Die glorreichen Sieben”) und Lee van Cleef („Sabata”) merklich bemüht, sich gegenseitig den Rang des größten und durchtriebensten Schweinehundes im Wilden Westen streitig zu machen. Dass aber selbstredend niemand cooler zu Werke geht als der zynische Eastwood mit seinen blauen Augen, versteht sich fast schon von selbst.

Nahtlos ins überragende Gesamtbild fügen sich obendrein die fantastische Kamerarbeit und die opulente Optik mit ihrem detailfreudigen Szenenbild. Die für das Jahr 1966 beizeiten recht harsche Gewaltdarstellung sorgte übrigens dafür, dass im Gegensatz zur italienischen Originalfassung die international erschienene Version in manchen Ländern bis zu einer halben Stunde gekürzt wurde. Aber auch inhaltlich extreme Szenen, etwa die, in der Tuco vor den Augen des am Wüstenboden verdurstenden Blondie seine Füße in einer Schüssel wäscht, fielen der Schere zum Opfer. Aber die Zeiten ändern sich und so gibt es den in Deutschland „Zwei glorreiche Halunken” betitelten Film auch bei uns längst restauriert und ungeschnitten. Ein fest für Western- und Eastwood-Fans, kultisch verehrt und fraglos einer der besten Filme aller Zeiten!

Wertung: (10 / 10)

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