Nobody ist der Größte (I/D/F 1975)

nobodyistdergroessteMit Filmfortsetzungen ist das so eine Sache. Die wenigsten können mit dem voranstehenden Original mithalten und offenbaren die Berechtigung ihrer Existenz vielmehr durch den untrüglichen Eindruck, schnelles Geld einspielen zu wollen. In die gleiche Kerbe, wenn auch auf reichlich plumpe Art, schlagen diejenigen Machwerke, die nur durch den Einsatz windiger Verleiher zum Aufguss werden. Die ändern einfach den Titel und hoffen, dass der Zuschauer den Frevel am eigenständigen Objekt nicht bemerkt. Eben solcher Mummenschanz überschattet „Nobody ist der Größte“, der trotz des regen Aufkommens an Beteiligten des Vorreiters nur bedingt mit selbigem zu vereinbaren ist.

Zwar ist da abermals Terence Hill („Hügel der blutigen Stiefel“) als schlitzohriger Filou vor staubiger Westernkulisse, der dahinter stehende Mix aus Action und Klamauk wird dem tragikomisch parodistischen Abgesang auf Genreriten und -mythen des (vermeintlichen) Erstlings aber kaum gerecht. Der Film sucht sein Heil in der infantilen Posse und scheitert gerade am zwangsläufigen Vergleich mit dem Quasi-Vorgänger. Da nutzt auch die ungenannte Co-Regie von Genrealtmeister Sergio Leone („Spiel mir das Lied vom Tod“) wenig, der mit dem fertigen Produkt anschließend nicht mal mehr in Verbindung gebracht werden wollte.

Seinen Lebensunterhalt verdient sich Nobody mit der Bloßstellung gestandener Revolverhelden. In einer der noch gelungensten Szenen heißt sein Opfer Klaus Kinski („Satan der Rache“). Gerade in der ersten Hälfte wird statt einer zusammenhängenden Geschichte aber nur loses Stückwerk geboten, das trotz des unermüdlichen Einsatzes von Rainer Brandt, zumindest die Synchronisation humoristisch aufzupeppen, weder stringent noch witzig wirkt. Auf den Regiestuhl setzte Leone den in Sachen Komödien unerfahrenen Damiano Damiani, der sich in erster Linie durch Polit- und Mafia-Thriller („Der Tag der Eule“) hervorgetan hatte. Er tut der steifen Dramaturgie nur selten gut, wobei mangelnder Witz und fehlendes Tempo auf das Konto des Drehbuchs gehen, an dem Damiani selbst auch noch beteiligt war.

Zusammen mit seinem Kumpan Bill (Robert Charlebois, „Die Entfesselten“) und der reizenden Lucy (Miou-Miou, „Die Vorleserin“) will Nobody dem korrupten Militäroberst und passionierten Indianerhasser Cabot (Patrick McGoohan, „Eisstation Zebra“) eine Lektion erteilen und gleichzeitig ein Vermögen abluchsen. Klar, dass es dabei zu Reibereien kommt. Weil die aber keine Entschuldigung für mangelndes Timing und verkrampften Klamauk sind, fällt „Nobody ist der Größte“ stark hinter der ersten Zusammenarbeit von Leone und Hill zurück. Der Film ist ein Mosaik der Disharmonie und obendrein ein gutes Beispiel für eine schlechte Komödie. Keine Parodie, sondern nur ein Schatten seiner selbst.

Wertung: (5 / 10)

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