McDonald & Dodds (Series 1) (GB 2020)

Ein bewährtes Rezept der britischen Unterhaltungsindustrie ist die Fusion aus urbaner Anmut und Mördersuche. Auch die TV-Reihe „McDonald & Dodds“ fußt auf dieser Grundlage und pflanzt den klassischen Krimi-Aufhänger in die Kulisse der südwest-englischen Thermal-Stadt Bath. In deren Polizeidirektion lässt sich die ambitionierte Londoner Polizistin Lauren McDonald (Tala Gouveia, „Heute oder morgen“) versetzen. Den Posten als leitende Ermittlerin betrachtet sie lediglich als Sprungbrett für die nächste Karrierestufe. Doch gleich nach ihrer Ankunft gilt es, einen verzwickten Mordfall aufzuklären, in dessen Zentrum ausgerechnet der einflussreiche Unternehmer und Erfinder Max Crockett (Robert Lindsay, „Galavant“) steht, in dessen Haus ein Obdachloser erschossen wurde.

Der lokale Polizeichef, der glatte John Houseman (James Murray, „The Crown“), drängt auf einen raschen Fahndungserfolg – und die Achtung der Privatsphäre von Crockett und seiner Familie. Die Zuschauenden wissen es durch die Tatort-Manipulation des kurz vor dem selbstbestimmten Rückzug aus der Unternehmensspitze stehenden Selfmade-Millionärs allerdings besser. McDonald hat jedoch einen unscheinbaren Trumpf: Dodds (Jason Watkins, „Des“). Der ist ein spleeniger Schreibtischtäter kurz vor der Verrentung und hat die letzten elf Jahre im Innendienst verbracht. Eigentlich wird er McDonald nur zugeteilt, um ihn schnellstmöglich aufs Altenteil zu bugsieren.

Doch stille Wasser sind bekanntlich tief und durch seine helle Auffassungsgabe, gepaart mit dem aus der Zeit gefallenen Hang, die Spurensuche durch Recherchen in der örtlichen Bibliothek zu flankieren, erweist sich Dodds als entscheidender Vorteil der karrieristischen, voll auf digitale Unterstützung pochenden Vorgesetzten. Die Gegensätzlichkeit der beiden Hauptfiguren bürgt dabei für Kurzweil mit einem gewissen Augenzwinkern (als Running Gag dienen McDonalds Erzählungen über ihren tumben Lebensgefährten). Die Tonalität der beiden Auftaktepisoden in Spielfilmlänge erinnert an „Death in Paradise“ (seit 2011) – selbst wenn die Grundkonstellation konstruiert und die Marotten bekannt erscheinen. Die zu lösenden Fälle erweisen sich jedoch als vertrackt genug, um auch dem Publikum Rätsel aufzugeben.

Beim ersten Teil, „The Fall of the House of Crockett“, sind es die Kinder des Unternehmers (u. a. Ellie Kendrick, „Game of Thrones“), von denen eines während einer großen Feier als des Erzeugers Nachfolger an der Firmenspitze berufen werden soll, die McDonald und Dodds verdächtig erscheinen. Denn das Opfer entpuppt sich als unehelicher Sohn des Patriarchen. Mehr noch scheint es, als habe das Attentat eigentlich ihm gegolten. An innerfamiliären Spannungen mangelt es bis zum erwartbar konstruierten Ausklang also keineswegs. Auch der zweite Fall, „A Wilderness of Mirrors“, fordert von den Polizeikräften Hirnschmalz, wenn ein Mitglied einer Sucht-Therapiegruppe in der privaten Reha-Klinik von Kelly Mulcreevy (Joanna Scanlan, „No Offence“) erhängt aufgefunden wird.

Doch so leicht lässt sich Dodds, dem die Zuschauenden auch hier den Blick auf den einleitenden Mord voraushaben, nicht täuschen. Verdächtige – u. a. gespielt von Freddie Fox („Pride“) und Hugh Daniels („Fleabag“) – gibt es im Umfeld der Toten genug. Dabei wirft der Fund eines zu Tode gefolterten Mannes in einer Wohnung weitere Fragen auf. Unter dem Strich bietet die von Serienschöpfer, -produzent und -autor Robert Murphy („Meadowlands“) verantwortete Reihe kurzweilige Krimi-Unterhaltung vor schicker Stadtkulisse. Dass „McDonald & Dodds“ dabei keineswegs zu den besten Genreformaten zählt, beschert dem grundlegenden Sympathiewert keinen Abbruch. In diesem Sinne: weiter ermitteln!

Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

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