Lourdes (A/D/F 2009)

lourdesWunder, so sang schon Katja Ebstein, gibt es immer wieder. Auch der Glaube daran verleiht dem Katholizismus Macht. Jährlich pilgern die Kranken und Schwachen in Scharen zu den Wallfahrtsorten und beten für Gottes Gnaden, für plötzliche Heilung, eben für ein Wunder. Eine der berühmtesten Pilgerstätten ist das französische Lourdes, wo der 14-jährigen Bernadette Soubirous Mitte des 19. Jahrhunderts wiederholt die Jungfrau Maria erschienen sein soll. Zeugnis dieser Visionen ist, so heißt es, der Wasserfluss in der Grotte Massabielle, der die Reisenden zu Bädern einlädt und ihre Hoffnung auf Linderung nährt.

Jessica Hausners Spielfilm „Lourdes“ widmet sich der strikt durchorganisierten Pilgerfahrt einer willkürlich zusammengestellten Reisegemeinschaft. Geeint wird diese durch den Glauben, dass Wunder möglich sind. Obwohl die junge, an Multipler Sklerose erkrankte Christine (Sylvie Testud, „La vie en rose“), die Fahrt nur angetreten hat, um überhaupt unter Menschen zu kommen. Das Kulturelle liegt ihr mehr als das Religiöse. Doch ausgerechnet sie, die mit dem Schicksal hadernde Zweiflerin, kann plötzlich wieder gehen und sich ohne Rollstuhl fortbewegen. Bei den Mitreisenden wirft das Fragen auf – und gipfelt nicht zuletzt in Missgunst.

Warum gerade Christine? Der mitgereiste Geistliche hat darauf, wie auch auf jede andere Frage zwischen Naivität und Gottvertrauen, die passende Antwort: Die Wege des Herren sind unergründlich und vor der Heilung des Körpers hat die der Seele zu stehen. Die nüchtern undramatische Inszenierung mit ihren langen Einstellungen vom Warten und Wandeln vermittelt einen ausgeprägten dokumentarischen Eindruck. Im Sinne größtmöglicher Natürlichkeit bleiben Gesten und Emotionen angedeutet. Das hat den Vorteil, dass der Zuschauer die aufgezeigten Abläufe in der kommerzialisierten Wallfahrtsstätte in verschiedene Richtungen deuten kann.

Die Figuren bleiben lediglich grob umrissen. Neben den gläubigen Kranken sind es die Pflegerinnen und Pfleger des Malteser-Ordens. Für manche ist die Hilfe der Bedürftigen eine Last, hinter der eigene Bedürfnisse zurückstehen. Andere, wie die Oberin Cécile (Elina Löwensohn, „Die Weisheit der Krokodile“), stellen sich mit Vehemenz und unterschwelliger Verbitterung in den sozialen Dienst. In dieser relativen Ereignislosigkeit entwickelt das –österreichisch-deutsch-französische Drama eine subtile Spannung, die jedoch von der Zähigkeit der Erzählung eingeholt wird. Die Zurückhaltung wird so zur Krux und die guten schauspielerischen Leistungen fallen hinter langatmiger Beobachtungsgabe zurück.

Wertung: (6 / 10)

 

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