Long Weekend (AUS 2008)

long-weekend-2008Die „Rache der Natur“ einmal anders. Geradewegs buchstäblich und doch fernab üblicher Klischees des Tier-Horrors angesiedelt. Im Remake des weitgehend unbekannten Australischen Öko-Thrillers „Long Weekend“ rebellieren Flora und Fauna nicht in Gestalt einer stellvertretenden Spezies, sondern erheben sich in seltener Ganzheitlichkeit gegen die menschliche Impertinenz. Eine achtlos weggeworfene Zigarette ist nur der Anfang eines Wochenendausflugs, der sich für ein zerrüttetes Ehepaar zum Höllentrip auswächst.

Woran die Beziehung zerbrach, bleibt lange angedeutet. Das zwangsläufige Scheitern schwebt jedoch wie ein dunkles Omen über ihnen. Mit Freunden wollten Peter (Jim Caviezel, „Die Passion Christi“) und Carla (Claudia Karvan, ,„Daybreakers“) ein verlängertes Wochenende am so idyllischen wie abseitigen Strand verbringen. Weil den aber nicht mal die argwöhnischen Einheimischen im Straßenpub kennen, landen die beiden allein in der Pampa. Schön ist es dort unbestritten, doch will er Frau und Natur wie selbstverständlich dominieren, während sie sich weder wohl noch geborgen fühlt. Und das nicht ohne Grund.

Die Besorgnis mehren menschenähnliche Schreie und ein dunkler Schatten im Meer. Auf den, ein Mörderhai in Verdacht, wird zwar (wie auf vieles andere) gedankenlos das Feuer eröffnet, die Konsequenzen aber zeigen sich nur zögerlich. Die stimmungsvolle und zugleich bedrohlich wirkende Naturkulisse entblößt ihre Schrecken schleichend und mehr als Verdichtung von Vorzeichen, als dass „Düstere Legenden“-Regisseur Jamie Blanks auf physisch manifestiertes Grauen setzen würde. Das Drehbuch schrieb Everett De Roche, der mit Blanks auch beim Splatter-Film „Storm Warning“ zusammengearbeitet und der neben dem Skript zum Original auch den Tier-Horror „Razorback“ erdacht hatte.

Die Schlinge mysteriöser, jedoch weitgehend erklärbarer Phänomene (von der Seekuh abgesehen), zieht sich weniger subtil und dezent gestrafft um die weder sympathischen noch identifikatorisch tauglichen Protagonisten. Das Original mag dichter und bedrohlicher wirken, doch verfehlt das zweifelsfrei gelungene (und noch immer konsequent unkonventionelle) Remake seine Wirkung nicht. Für den Frevel an der Natur wird individuell gebüßt, ein Aufbäumen gegen die Menschheit im Allgemeinen wird, wenn überhaupt, nur angedeutet. So bleibt „Long Weekend“ seiner Linie auch im neuen Jahrtausend treu: Effektarm, mehr bedrohlich als spannend und dennoch durchweg packend. Die gelungene Modernisierung eines (heimlichen) Klassikers.

Wertung: (7 / 10)

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